Auf die Gesundheit

Die Wirkung des Sports für unser Nervensystem und unsere mentale Gesundheit

Betrachtet man sich die Wirkung von Sport auf unser zentrales Nervensystem, merkt man schnell, dass die Einflüsse sehr vielfältig sind. Aber das passt ja zu diesem kompliziertesten unserer körperlichen Netzwerke. Denn dieses ist nicht nur dafür zuständig, dass wir Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen können, sondern es ermöglicht uns auch unseren Alltag zu bewältigen. Dazu gehört die Verarbeitung aller möglichen Eindrücke und Einflüsse genauso wie so elementare Dinge wie uns zu bewegen, zu laufen, zu sitzen, zu gehen und vieles mehr. Auch die Reizweiterleitung ist eine große Domäne des Nervensystems. Durch diese erfahren wir mehr über unsere Umwelt, Kälte, Wärme, Geräusche, optische Eindrücke, aber auch Schmerzen, die uns vor Verletzungen schützen sollen.
Eine Wirkung, die der Sport auf das Nervensystem und dabei vor allem auf unser Gehirn hat, erklärt sich daraus, dass regelmäßiger Sport den Sauerstoffgehalt im Körper stark ansteigen lässt. Dies gilt für die Muskeln genauso, wie für unser Gehirn. Doch dadurch werden die Denkprozesse verbessert und beschleunigt, wir können uns neu gelerntes besser Merken und lernen dadurch schneller. Dieses gilt sowohl für körperliche, als auch für intellektuelle Lerninhalte. Dieser Effekt hilft nicht nur jungen Menschen, sondern auch ältere Herrschaften bewahren sich so ein großes Maß an Selbständigkeit und Lebensqualität.

Dazu kommt, dass wir durch körperliche Betätigung unseren Körper besser kennen lernen. Bewegungsabläufe fallen uns leichter und wir reagieren schneller auf unvorhergesehene Ereignisse. Auch der Gleichgewichtssinn wird gestärkt, was vor allem älteren Menschen sehr zugute kommt. Denn nachweislich haben aktive Senioren deutlich weniger Unfälle in Haushalt und Straßenverkehr, was nicht nur den Alltag verschönert, sondern auch die Lebensdauer erheblich verlängert.

Diese verbesserte Unfallstatistik bei sportlich aktiven Menschen resultiert auch daraus, dass durch den Sport die Sinne geschärft werden. Doch nicht nur ältere Menschen profitieren von einer verbesserten Sinneswahrnehmung. Auch Schüler, Studenten und Arbeitnehmer sind leistungsfähiger in ihrem täglichen Lernprozess und somit erfolgreicher. Sie erfassen komplizierte Sachverhalte schneller und sind stressstabiler.

Vor allem dann, wenn die Disziplin anspruchsvoll ist, profitieren wir auch von der regenerativen Fähigkeit des Nervensystems. Ein ganzes Leben lang sind menschliche Körper in der Lage dazu, neue Nervenzellen zu bilden. Doch kommt es nicht nur auf die Anzahl der Nervenzellen an, sondern auch darum, wie gut diese zusammenarbeiten. Dazu ist es wichtig, dass sich so viele neue Synapsen bilden wie möglich. Lernen wir neue Bewegungsabläufe ein, so bildet unser Nervensystem solche Verbindungen zwischen Nervenzellen besonders fleißig aus.

So bilden sich im Laufe der Zeit wahre Nervennetze aus, die uns ein Leben lang geistig aktiv, rege und leistungsfähig halten. Selbst Menschen, die einen Schlaganfall erleiden, profitieren von solchen existierenden Netzwerken. Sie erholen sich nachweislich sehr viel schneller von Nervenschädigungen, die durch einen Schlaganfall auftreten. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie trotz eines solchen einschneidenden Erlebnisses wieder ein selbstbestimmtes Leben führen können ist sehr viel größer, als bei Untrainierten. Außerdem wird die Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden durch regelmäßige Bewegung deutlich verringert.

Ein weiterer wichtiger Aspekt von sportlicher Aktivität ist, dass wir ein verbessertes Selbstwertgefühl erlangen. Die Zufriedenheit mit dem Körper, seiner Erscheinung und Leistungsfähigkeit ist größer und damit auch die Akzeptanz. Wir leiden weniger unter dem Älterwerden. Vor allem dann, wenn wir in einer Gemeinschaft trainieren, ernten wir vermehrt Anerkennung durch Kollegen. Vor allem Menschen, die aus dem Arbeitsleben austreten, erfahren somit weiterhin die Anerkennung und Wertschätzung, die inaktiven Altersgenossen fehlt und diese häufig in Depressionen stürzt.
Allgemein schaffen körperliche Betätigung und die Einbindung in Gruppen gleichgesinnter vermehrt soziale Kontakte, wodurch Menschen sich zufriedener fühlen. Depressionen und Selbstmordgedanken sind bei Sport treibenden Menschen, vor allem im Alter, weniger häufig anzutreffen.

Dazu kommt, dass Personen, die sich regelmäßig bewegen, seltener unter Schlafstörungen leiden. Ein Körper, der sich bei Tageslicht physisch verausgabt hat, ist am Abend in der Lage, vermehrt Melatonin zu bilden. Vor allem dann, wenn Sie am Abend vermeiden zu helles Licht anzumachen. Der Nachtschlaf wird verbessert, wobei vor allem die Erholung bringende REM Phase verlängert wird. Dies bewirkt, dass der Körper besser in der Lage ist, oxidativen Stress abzubauen. Sowohl die seelische, als auch die körperliche Erholung wird deutlich verbessert.

Überall auf der Welt wird schon seit Jahren geforscht, wie stark die Wirkung von Sport auf unsere mentale Gesundheit ist. Doch immer noch diskutieren Wissenschaftler, inwieweit viele der Ergebnisse eher durch das subjektive Empfinden der Testpersonen erklärbar sind, als durch wissenschaftlich messbare Werte. Dagegen zuhalten ist natürlich, dass gerade seelische Beschwerden immer sehr subjektiv sind. Und vielleicht gerade erst die persönliche Subjektivität den Unterschied zwischen zwei Personen ausmachen. Während ein Mensch eine spannungsgeladene Situation vielleicht als anspornen empfindet und sich entsprechend von dieser motiviert und energiegeladen fühlt, leidet ein anderer unter dem Druck, entwickelt Versagensängste und fühlt sich vollkommen überfordert. Welches die Folgen auf Dauer sind, kann sich jeder selbst denken. Der Mensch, der die Situation als negativ empfindet, läuft auf Dauer Gefahr depressiv zu werden, unter Angstzuständen zu leiden oder ein Burnout-Syndrom ausbilden. Der positiv empfindende Mensch stärkt an solchen Situationen sein Selbstwertgefühl und wird glücklich.

Genauso entwickeln viele Menschen durch Sport ein verbessertes Körpergefühl und ein gesteigertes Selbstwertgefühl. Auch die optischen Veränderungen, die sich durch ein regelmäßiges Bewegungstraining einstellen, tragen zu einer positiven Stimmung bei. Dazu kommt die vermehrte Ausschüttung von Glückshormonen, die definitiv auch wissenschaftlich nachweisbar einen positiven Einfluss auf den Seelenzustand haben. Derart groß sogar, dass schon die ersten Psychiater in den USA ihre berühmte Couch gegen ein Laufband ausgetauscht haben, um vor allem depressive Patienten effektiv zu therapieren.

Die Wirkung des Sports auf das Altern

Wir Deutschen werden statistisch gesehen immer älter. Dieser Trend wird sich aller Voraussicht nach die kommenden Jahrzehnte kaum ändern. Doch im Grunde sind sich die meisten Menschen darin einig, dass es nicht genügt, eine lange Lebenszeit zu haben. Das Schlagwort „Lebensqualität“ ist ein fundamentaler Aspekt, wenn es darum geht nicht nur ein langes, sondern vor allem ein erstrebenswertes Leben zu führen.

So viel ist klar: wer auch im Alter eine hohe Lebensqualität genießen möchte, sollte möglichst schon frühzeitig damit beginnen, alle Aspekte eines gesunden Lebens zu pflegen. Dazu gehören eine angemessene Körperhygiene genauso dazu, wie eine abwechslungsreiche, möglichst vollwertige Ernährung, viele positive Erlebnisse, ein großer Freundeskreis und natürlich regelmäßige Bewegung.
Denn regelmäßiger Sport hat viele positive Einflüsse auf den alternden Körper. So wirkt er zum Beispiel dem Muskelabbau entgegen, der bei beiden Geschlechtern ab der Lebensmitte beginnt. Denn in den vierziger und fünfziger Jahren startet der Körper damit, weniger Geschlechtshormone zu produzieren, wodurch nicht nur der Geschlechtstrieb gemindert wird, sondern vor allem auch Muskeln abgebaut werden.

Doch nicht nur die Muskeln unseres Bewegungsapparates profitieren von regelmäßiger Bewegung. Auch der Herzmuskel und die Atemhilfsmuskulatur werden gekräftigt. Dadurch wird unser Körper besser mit Nährstoffen und vor allem Sauerstoff versorgt und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sink drastisch. Menschen, die regelmäßig Sport treiben, dürfen bei Tisch gerne auch einmal kräftiger zulangen, denn ihr Körper hat einen deutlich höheren Energieumsatz. Ihnen fällt es leichter, ihr Gewicht zu halten und ihr Körper erscheint attraktiver und muskulärer. Dies macht nicht nur zufriedener, sondern kommt auch der Haltung zugute. Geht ein Mensch aufrechter ist gleichzeitig auch seine Lungen- und Herzleistung besser. Ein Kreis der sich schließt.

Die Gesundheit älterer Menschen wird oft dadurch gefährdet, dass die Dichte ihrer Knochen abnimmt. Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich. Zum einen eine verminderte Hormonproduktion, vor allem bei Frauen, aber auch die Tatsache, dass sie sich zu wenig bewegen. Denn körperliche Reize, wie sie bei Sport auf die Knochen einwirken, setzen Mechanismen in Gang, die die Knochendichte erhöhen. Es wird vermehrt Calcium in die Knochen eingelagert, wodurch die Gefahr von Knochenbrüchen und Stürzen erheblich vermindert wird.

Es spielen jedoch noch eine ganze Menge anderer Faktoren eine Rolle, damit ältere Menschen weniger Unfälle erleiden. Und sehr viele von diesen kann man mit regelmäßiger Bewegung verbessern. Zum Beispiel die Körperwahrnehmung und -beherrschung, sowie den Gleichgewichtssinn. Sport fördert aber auch die Sauerstoffversorgung im Gehirn, wodurch das Denken, Reagieren und die Merkfähigkeit verbessert und beschleunigt werden. So lassen sich nicht nur körperlichen Gebrechen vorbeugen, sondern auch der gefürchteten Altersdemenz mit ihren katastrophalen Folgen für Betroffene und Angehörige.