Auf die Gesundheit

Tolle Kamellen, olle Kamellen

Nichts ist so uninteressant wie eine olle Kamelle. Auch hier beweist sich wieder, dass der Volksmund oft sehr Recht hat. Die edlen und vielseitigen Wirkstoffe der Kamille sind am intensivsten und heilkräftigsten, wenn die Blüte frisch ist. Doch macht das nichts, denn die echte Kamille oder Matricaria recutita L. Rauschert, wie sie auf Latein genannt wird, ist heutzutage eine weit verbreitete Pflanze. Deshalb gehört sie auch zu einem der kostengünstigsten Heilmittel.

Sie ist so bekannt, dass sogar die meisten Kinder ihren typischen angenehm aromatischen Duft kennen. Dabei kam sie ursprünglich aus den Mittelmeerländern zu uns nach Nordeuropa, doch heute findet man sie allenthalben an Wegesrändern, in Feldern und Wiesen.

Sie hat es aufgrund ihrer Beliebtheit zweimal zu einer nationalen Auszeichnung geschafft. Und zwar wurde sie sowohl zur Heilpflanze als auch zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Diese Auszeichnungen sind auf alle Fälle gerechtfertigt, bedenkt man doch, dass selbst in Haushalten, in denen ansonsten keine naturheilkundlichen Heilmittel verwendet werden, zumindest meist einige Kamillen-Teebeutel zu finden sind. Dabei hilft zum einen sicherlich der milde, leicht süßliche Geschmack der gelb-weißen Blütenstände genauso, wie die entspannende, entkrampfende Wirkung, die dieser Tee auf den Organismus im Allgemeinen und die Verdauungsorgane im Besonderen hat.

Die empfohlene Menge an Wirkstoffen zur Behandlung von Erkrankungen enthalten solche Teemischungen meist jedoch nicht. Denn für den simplen Tee ist es erlaubt, außer den Blütenständen auch Blätter und Teile der Stängel mit zu verwenden.

Wenn Sie die Kamille als Medizin verwenden möchten, sollten Sie frische, getrocknete Kamillenblüten oder ätherisches Kamillenöl in der Apotheke kaufen. So können Sie sicher sein, dass die wertvollen Inhaltsstoffe tatsächlich in einer wirkungsvollen Konzentration enthalten sind.

Doch betrachten wir uns diese Inhaltsstoffe ein wenig genauer. Zu nennen sind hierbei einige duftgebende Cumarine, die den charakteristischen Kamillenduft erzeugen. Den Schleimstoffgehalt von bis zu 10% machen wir uns vor allem bei der Behandlung entzündeter Schleimhäute zu Nutze und die antioxidativen Flavonoide haben einen positiven Einfluss auf unsere Zellen. Dazu kommt ein Gehalt von etwa 1,5% an ätherischen Ölen, allen voran α-Bisabolol, Chamazulen und Matricin.

Alle drei sind im Wesentlichen für die starke anti-entzündliche Wirkung der Kamillenblüten verantwortlich.

Durch ihre sehr gute Verträglichkeit wird die Kamille sowohl für die innerliche, als auch die äußerliche Anwendung empfohlen. Innerlich wird in erster Linie ein Tee aus Kamillenblüten gekocht oder Kamillenöl direkt oder in Zubereitungen verwendet.

Um Erkrankungen des Magen-Darm-Bereiches zu behandeln, nimmt man drei bis viermal täglich eine frisch zubereitete Tasse Kamillentee zu sich. Hierzu kocht man 150ml Wasser auf und giebt die siedende Flüssigkeit über 3g getrocknete Kamillenblüten. Diese Menge entspricht etwa einem gehäuften Esslöffel. Lassen Sie den Tee anschließend zugedeckt für 10-15 Minuten ziehen und trinken Sie den Tee warm zwischen den Mahlzeiten. Der Kamillentee hilft dabei nicht nur gegen die unangenehmen Symptome, wie Krämpfe, Blähungen und Schmerzen, sondern wirkt anti-entzündlich und hilft die Erreger des Übels, wie Bakterien und Pilze wirkungsvoll zu bekämpfen.

Als Rollkur angewendet, hilft Kamillentee auch sehr gut gegen Magenschleimhautentzündung und Magengeschwüre. Es hilft der angegriffenen Magenschleimhaut beim Heilungsprozess und schützt sie effektiv vor neuen Entzündungen.

Leiden Sie unter Entzündungen im Mund- und Rachenbereich, so spülen Sie mehrmals täglich gründlich mit dem oben erwähnten, frischen Teeaufguss.

In der Erkältungszeit tut auch ein Kamille Dampfbad sehr gut. Es beruhigt die oberen Atemwege und hilft Ihrem Körper dabei, die Erreger zu bekämpfen. Nehmen Sie zwei gehäufte Esslöffel frische Kamillenblüten und geben Sie in eine weite Schüssel. Geben Sie siedendes Wasser darüber und decken Sie die Schüssel mit einem Handtuch ab. Nun atmen Sie vorsichtig die entstehenden Dämpfe ein, indem Sie mit Ihrem Kopf unter das Handtuch gehen.

Doch auch äußerlich angewendet ist die Kamille ein sehr hilfreiches Heilmittel. Sie fördert die Wundheilung bei den gefürchteten „offenen Beinen“ bettlägeriger Patienten oder Patienten mit Wundheilungsstörungen. Die Kamille wirkt stark antibakteriell, desodorierend und regt den Hautstoffwechsel an, weswegen man sie auch gerne bei Erkrankungen im Genital- und Analbereich anwendet. Auch nässende Wunden, Dermatosen, Frostbeulen, Sonnenbrand und sogar zur Pflege von Operationsnarben ist die Kamille sehr hilfreich. Hierzu bereiten Sie ein Sitzbad, ein Vollbad oder einen Kamillenaufguss. Dazu verwenden Sie 50g der Kamillenblüten pro zehn Liter heißem Wasser. In dem Kamillenaufguss können Sie auch gerne Umschläge tränken, mit denen Sie die geschädigte Haut tränken. Wem die Teezubereitung zu mühselig ist, kann auch zu Fertigpräparaten und zum Kamillenöl zurückgreifen.

In der Frauenheilkunde wendet man die Kamille auch gerne als Pflegemittel für die Mamille stillender Frauen an. Dadurch entzündet sich die empfindliche Brustdrüse weniger leicht und das Stillen wird für die Mutter angenehmer.

Außerdem verwenden vor allem auch schwangere Frauen die nebenwirkungsfreie Kamillen-Sitzbäder gerne als unterstützende Behandlung bei bestehenden Candida-Infektionen im Genitalbereich.