Auf die Gesundheit

Spirulina Algen – Blaugrüne Nahrungsergänzung

Besonders eine Spezies an Algen macht in den letzten Jahren immer wieder von sich Reden, wenn es um Nahrungsergänzungsmittel und die Notversorgung für eine überbevölkerte Erde geht: die Spirulina Alge. Bei den Spirulina-Algen handelt es sich um sehr alte Einzeller. Sie halfen vermutlich dabei, die Erdatmosphäre zu schaffen, die uns heute umgibt. Gäbe es keine Spirulina-Algen und andere niedrige Lebensformen, die Kohlendioxid in großen Mengen für ihren Stoffwechsel benötigen und dabei erhebliche Mengen an Sauerstoff produzieren, wäre die Luft der Erde wohl für uns auch heute noch in höchstem Maße giftig und weder Menschen noch Tiere lebensfähig. Die Tatsache, dass diese Algen entwicklungsgeschichtlich so früh entstanden sind, erkennt man noch heute daran, dass sie, im Gegensatz zu Pflanzen und Tieren, Ihr Erbgut nicht in einem Zellkern aufbewahren, sondern dieses frei in der Zelle enthalten ist. Daher zählt man sie zu den prokaryotischen Lebewesen.

Inhaltsstoffe der Spirulina-Algen

Was sie jedoch immer wieder als Nahrungsmittel und gesundheitsförderndes Mittel ins Gespräch bringt, sind ihre Inhaltsstoffe. So ist zum Beispiel der Gehalt an Eiweißen in den Spirulina-Algen mit etwa 60% fast doppelt so hoch wie in Sojabohnen oder fast dreimal so hoch wie in den meisten Fleischarten. Dazu kommt, dass in diesen Eiweißen fast alle Aminosäuren enthalten sind, die unser Körper benötigt, um hochwertige neue Körperzellen zu bilden. Außerdem ist die Bioverfügbarkeit dieser Proteine in Spirulina sehr hoch, was sie zu einer wertvollen Eiweißquelle macht. Gerade für Notzeiten käme hinzu, dass die Erzeugung von einem Kilogramm Spirulina-Algen sehr viel weniger Anbaufläche benötigt wird. So benötigt man nur etwa einen halben Quadratmeter Fläche für ein Kilogramm Spirulina, während das Futter, das verfüttert werden muss, um ein Kilogramm Schweinefleisch zu erzeugen, auf etwa 20qm wächst. Außerdem verdoppelt sich die Menge an Spirulina in nur vier Tagen, ein Wert, der von höheren Lebensformen nicht annähernd erreicht werden kann. Was die Proteine in der Spirulina-Alge so außergewöhnlich macht, ist die Tatsache, dass sie alle essentiellen Aminosäuren enthält. Die meisten Pflanzen sind dazu nicht in der Lage. Aus diesem Grund stellen diese Algen einen wertvollen Lieferanten für essentielle Aminosäuren für vegan lebende Menschen dar. Allerdings müssen erhebliche Mengen an Spirulina verzehrt werden, um eine gute Versorgung mit den Aminosäuren zu gewährleisten.

Zu den Proteinen sind in verhältnismäßig hohen Mengen Calcium, Magnesium und Eisen sowie Vitamine der Gruppen, B und E, sowie β-Carotin in Spirulina enthalten. Diese Algen benötigen sehr viel Wärme, um sich wirkungsvoll entwickeln und vor allem fortpflanzen zu können. Heimisch sind sie demnach vor allem in tropischen und subtropischen Regionen dieser Erde. Vor allem in Südostasien, Australien, Mittelamerika und Afrika finden sich stark alkalische Salzseen, mit nennenswerten Vorkommen an Spirulina-Algen. Aus solchen Regionen ist auch historisch belegt, dass die Bevölkerung sich seit langer Zeit zumindest teilweise von diesen Algen ernährt hat.

Die blaugrüne Farbe erhalten die Spirulina-Algen übrigens von einem hohen Gehalt an Chlorophyll und bläulichen Pigmenten, ein Grund, warum man sie zu den Cyanobakterien zählt. Cyano ist ein Begriff, der sich vom altgriechischen Wort κúανoς ableitet, was so viel wie Stahlblau bedeutet. Das Chlorophyll ist auch als Blattgrün bei den Pflanzen bekannt und ein Stoff, der chemisch gesehen sehr viel Ähnlichkeit mit dem Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff bei Mensch und Tier hat. Ferner sind in diesen Blaualgen auch etwa 20% Kohlenhydrate, 4% Fette und mehr als 5% Mineralstoffe enthalten.

Gesundheitlicher Nutzen der blauen Algen

Die ernährungswissenschaftlichen Möglichkeiten, die ein solch gehaltvolles Produkt wie die Spirulina-Algen bieten, sind theoretisch sehr vielseitig. Es gibt inzwischen schon eine Menge wirtschaftlicher und privater Anlagen, die jährlich etwa 3000 Tonnen Spirulina Algen produzieren. Die meisten davon werden als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Der Geschmack dieser Alge reicht von leicht süßlich über nussig bis hin zu leicht modrig, je nachdem, in welcher Zubereitungsform sie verzehrt wird. Sie sollte jedoch keinesfalls in Speisen mit gekocht werden, um die wertvollen Inhaltsstoffe nicht zu zerstören. Wer möchte, kann seinen Gerichten eine besondere Note geben, indem er ihnen nach dem Kochen Spirulinapulver hinzu gibt.

Die Spirulina-Alge hemmt die Freisetzung von Histamin aus den Mastzellen im Körper. Die Blaualge senkt nachweislich den Interleukin-4-Spiegel im Körper, ein Stoff, der eine wichtige Rolle bei Immunglobulin-E vermittelten Allergien spielt. Diese Eigenschaften helfen allergiegeplagten Menschen, denn allergische Reaktionen wie Niesen, laufende Nase und tränende Augen werden dadurch stark gemildert. Auch Menschen, deren Abwehrsystem zu schwach ist, profitieren von den blauen Algen, denn sie verbessern die Ausschüttung des Immunglobulin-A im Speichel, wodurch eingeatmete Keime keine Chance mehr haben. Dazu kommt, dass hochwertige Spirulina-Algen eine virushemmende Wirkung haben, wie bei einer Studie im Jahr 2011 am Epstein-Barr-Virus nachgewiesen wurde. Es wird ferner angenommen, dass Spirulina die Konzentration von Cholesterin im Blut senken kann. Aussagekräftige und vor allem haltbare Studien hierzu liegen im Moment allerdings noch nicht vor.

Auch geht man davon aus, dass der in Spirulina-Algen enthaltene Stoff Phycocyanin in der Lage ist, Entzündungsreaktionen im Körper zu vermindern, was Patienten mit arthrotischen, arthritischen und rheumatischen Erkrankungen zu Gute kommen könnte. Es ist anzunehmen, dass die kritische Auseinandersetzung der Verbraucher mit ihren Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln dazu führen wird, dass in den nächsten Jahren weitere aussagekräftige Studien mit Spirulina-Algen durchgeführt werden. Es bleibt also noch einiges zu erwarten im Hinblick auf die winzigen blauen Wasserbewohner.