Auf die Gesundheit

Nahrungsmittelunverträglichkeit – wenn das Essen zum Kampf wird

Immer mehr Menschen klagen über Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Längst handelt es sich bei Menschen mit Laktose- oder Histamin-Intoleranzen nicht mehr um Einzelfälle. Inzwischen leiden ein bis zwei Prozent aller Menschen an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit, wobei die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher liegen dürfte. Viele Nahrungsmittelunverträglichkeiten werden durch die oft unspezifischen Symptome erst nach einem langen Leidensweg erkannt. Oft gehen mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit auch weitere Nahrungsmittelunverträglichkeiten einher.

Zu den häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten gehören Laktoseintoleranz, Histaminintoleranz, Glutenintoleranz und Fruktosemalabsorption. Symptome sind häufig Übelkeit, Bauchkrämpfe, Schwindel, Durchfall und Erbrechen. Diese Symptome treten meist unmittelbar bzw. kurze Zeit nach der Aufnahme der unverträglichen Nahrung auf. In anderen Fällen können auch bis zu zwei Stunden vergehen, bevor es zu einem Auftreten von Symptomen kommt.

Laktoseintoleranz – eine der häufigsten Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten

Zu den häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten gehört die Laktoseintoleranz. Zirka 20 % der Bevölkerung leiden unter dieser Unverträglichkeit von Milchzucker. Weltweit sind es etwa 80 %.

Bei der Laktoseintoleranz können Menschen keine Laktose mehr verdauen. Je nach Form der Laktoseintoleranz (primäre, sekundäre Laktoseintoleranz oder kongenitale Laktosemangel) können die Symptome und der Zeitpunkt des Auftretens variieren.

Die  Symptome reichen hierbei von Blähungen, Müdigkeit, kalter Schweiß, Übelkeit, Durchfall, Erbrechen bis hin zu schmerzhaften Bauchkrämpfen.

Diagnostiziert wird Laktoseintoleranz entweder im Selbstversuch durch das Weglassen laktosehaltiger Lebensmittel oder durch Tests, wie dem H2-Atemtest, Blutzuckertest, 13C-Atemtest, Gentest, Biopsie oder dem Ig-G-Test.

Behandelt wird die Laktoseintoleranz durch eine Diät und dem Verzicht auf laktosehaltige Produkte oder durch die Einnahme von Lactase-Tabletten zum Abbau von Laktose. Doch Vorsicht: In vielen Lactase-Tabletten ist Sorbit enthalten, das bei einer zusätzlich bestehenden Fructosemalabsorption die Symptome verschlechtern kann.

Fruktosemalabsorption – Hand in Hand mit der Laktoseintoleranz

Immerhin 75 % der Menschen mit Laktoseintoleranz leiden auch an einer Fruktosemalabsorption. Bei der Fruchtzuckerunverträglichkeit handelt es sich um eine Unverträglichkeit von Fruchtzucker der in Trockenfrüchten, Softdrinks, Mineralwasser mit Geschmack, Fruchtsäfte, Honig, Most, Wein, Bier und Cider enthalten sein kann. Nach dem Genuss einer bestimmten Menge von Fruchtzucker kann es zu Symptomen wie Blähungen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Abgeschlagenheit kommen. Durch das komplexe Krankheitsbild lassen sich alle Symptome nicht aufzählen. Die Symptome können von Mensch zu Mensch variieren.

Wie eine Fruchtzuckerunverträglichkeit entsteht, ist nach wie vor nicht geklärt. Bei einer Fruchtzuckermalabsorption funktioniert der Transport der Nährstoffe aus dem Darm ins Blut nicht richtig. Bei Menschen mit einer Fruchtzuckermalabsorption findet der Transport nur eingeschränkt statt. Der Betroffene kann weniger Fruktose verarbeiten, als normal, und reagiert mit Beschwerden.

Oft haben Betroffene bis zur Diagnose Fruchtzuckerunverträglichkeit einen langen Leidensweg und unzählige Arztbesuche hinter sich. Festgestellt wird diese Unverträglichkeit durch eine Befragung des Arztes und einem Atemtest, vor dem eine Fruktoselösung getrunken wird. Nach der Einnahme der Fruktoselösung pusten Patienten in Intervallen in ein Gerät, das den Wasserstoffgehalt in der Atemluft misst. Wird ein festgelegter Wert überstiegen, spricht das für eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit. Nicht immer verspüren Betroffene sofort Beschwerden. Bei einigen treten die typischen Symptome erst nach einiger Zeit auf.

Eine wirkliche Therapie gibt es nicht. Betroffene werden oft zu einem Ernährungsexperten geschickt, der zusammen mit dem Patienten eine individuelle Ernährung zusammenstellt. Als erste Maßnahme führen Betroffene ein Ernährungstagebuch, anhand dessen sie feststellen können, woher die Beschwerden stammen.

Histamin-Unverträglichkeit – wenn es an Histamin mangelt

Zirka ein bis drei Prozent aller Menschen leiden an einer Histamin-Intoleranz. Bei dieser Unverträglichkeit mangelt es den Betroffenen am Enzym Diaminoxidase – dem Histamin abbauenden Enzym – und dem Histamin-N-Methyltransferase-Enzym.

Symptome sind Nesselsucht, Juckreiz, Hautrötungen, Ekzeme, Schwindel, Kopfschmerzen, Hitzegefühl, verstopfte Nase, Halsschmerzen, Blähungen, Verstopfung, Erbrechen, Übelkeit, Durchfall, Sodbrennen, Bauchschmerzen, Magenstechen, niedriger Blutdruck, Bluthochdruck, Wassereinlagerungen, Müdigkeit, Erschöpfung oder Herzrasen.

Diagnostiziert wird eine Histamin-Intoleranz durch eine Anamnese und dem Weglassen von histaminhaltigen Lebensmitteln. Dazu wird vor und nach dem Weglassen des Histamin Blut abgenommen und verglichen.

Wird eine Histamin-Unverträglichkeit festgestellt, muss eine histaminarme Diät eingehalten werden, bei der histaminreiche Lebensmittel weggelassen werden. Auch die Einnahme von Antihistaminika kann bei einer Histamin-Intoleranz helfen.

Gluten-Unverträglichkeit – Schäden am Darm

0,3 % bis 1 % aller Menschen leiden an Zöliakie. Dabei handelt es sich um eine Unverträglichkeit auf Klebereiweiß, das sich in Getreidesorten wie Roggen, Gerste, Dinkel und Weizen befindet. Diese Proteine führen zu einer Schädigung der Darmschleimhaut, wodurch die Funktionsfähigkeit des Darms eingeschränkt wird. Die Aufnahme von Nährstoffen wird gestört und es kann zu Mangelerscheinungen und Entzündungen kommen.

Typische Symptome sind Muskel- und Gelenkschmerzen, chronische Durchfälle, Blutarmut, Vitaminmangel, Kopfschmerzen, Erbrechen, Appetitlosigkeit oder juckende Bläschen auf der Haut. Auch Unfruchtbarkeit, Aphten, Potenzstörungen und Schizophrenie können in seltenen Fällen auftreten.

Zur Diagnose der Glutenunverträglichkeit führt der Arzt einen Bluttest durch. Damit bestimmt der Arzt spezifische Antikörper, die nur bei einer Glutenunverträglichkeit auftreten. Eine genaue Diagnose nach einem positiven Bluttest kann erst nach einer Biopsie der Darmschleimhaut gestellt werden. Diese Biopsie wird in den meisten Fällen ambulant durchgeführt. Ein Krankenhausaufenthalt ist nicht notwendig.

Bei einer Glutenunverträglichkeit hilft nur ein konsequentes Vermeiden der glutenhaltigen Nahrungsmittel. Bereits nach wenigen Tagen heilt die Darmschleimhaut ab und  eine Besserung der Beschwerden ist spürbar. Diese Ernährung muss ein ganzes Leben lang konsequent eingehalten werden.