Auf die Gesundheit

Melatonin, der unbekannte Schlafbringer

In den USA wird schon seit einigen Jahren unter gesundheitsbewussten Menschen Melatonin fast wie ein Wundermittel gehandelt. Dort wird das natürliche Hormon vielfältig verwendet und sogar als Nahrungsergänzungsmittel rezeptfrei verkauft.

Außer bei den auch in Europa vorgesehenen Schlafstörungen wird das Hormon dort auch gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, für Diabetiker, Krebspatienten und Menschen empfohlen, die vorzeitigem Altern vorbeugen möchten.

Dabei liegen bis heute noch nicht genügend aussagekräftige Studien zu diesen Einsatzgebieten vor, die die europäischen Zulassungsbehörden überzeugen würden. Innerhalb Europas sind die Grenzen im Moment deshalb noch sehr eng gesteckt, so dass Melatonin nur zum Regeln des Tag-Nacht-Rhythmus eingesetzt werden darf.

Melatonin – ein körpereigenes Hormon

Melatonin ist ein Hormon, also ein Botenstoff, der Körperprozesse regelt. Er wird in unserem Körper in erster Linie in der Zirbeldrüse, einem Teil des Zwischenhirns hergestellt. Damit die entsprechenden Drüsen mit der Produktion und der Ausschüttung dieses Hormons beginnen, müssen Sie über die Netzhaut des Auges die Information bekommen, dass die Menge an Tageslicht nachlässt.
Melatonin hat eine Halbwertzeit von etwa 30 Minuten. Das bedeutet, dass der Stoff innerhalb einer halben Stunde in eine unwirksame Form abgebaut wird. Beginnt es also am Morgen wieder hell zu werden, so erhält das Zwischenhirn die Information, mit der Melatoninproduktion und -ausschüttung aufzuhören, und innerhalb einer guten halben Stunde ist der Blutspiegel des Stoffes wieder abgebaut.

Die Zirbeldrüse stellt Melatonin aus einem anderen Hormon, dem Glückshormon Serotonin her. Mit dem Morgengrauen, wenn der Lichtreiz zum Hirn gemeldet wird, stellt sich die Produktion einfach wieder um und statt Melatonin wird wieder vermehrt Serotonin hergestellt und in den Blutkreislauf abgegeben.

So wirkt Melatonin auf den Körper

Die Wirkung des Melatonins auf die verschiedenen körperlichen Vorgänge ist sehr vielfältig. So reagieren das sympathische Nervensystem, das Herz, die Verdauungsorgane, die Nieren und einige andere Organe auf das Vorhandensein dieses Hormons. Alle Einflüsse sind im Grunde darauf ausgerichtet, den Körper auf eine erholsame Nachtruhe vorzubereiten.

Dazu verlangsamt es die Verdauungsarbeit, senkt die Körpertemperatur und lässt den Blutdruck sinken. Auch der Herzschlag wird gedrosselt, da der Körper zum Schlafen nicht mehr so viel Sauerstoff benötigt, wie für die körperlichen Anstrengungen des Tages. Alle diese Vorgänge sind für die nächtliche Regenerationsphase nicht wichtig.

Um den Körper ruhig zu stellen und müde zu bekommen, erhöht unser Körper die Melatoninkonzentration im Blut auf das Zehnfache. Wobei junge Menschen auf deutlich höhere Werte kommen als ältere. Doch beginnt dieser durch das Hormon bestimmte Tag-Nacht-Rhythmus, sich erst ab dem 3. Lebensmonat auszubilden. Dies erklärt, warum den meisten jungen Eltern zunächst viele schlaflose Nächte bevorstehen. Ihre frisch geborenen Kinder halten sich nicht an den von unserer Gesellschaft vorgegebenen Tag-Nacht-Rhythmus.

Über diese reine Regelfunktion, die Melatonin auf unseren Körper hat, spielt Melatonin auch eine wichtige Rolle beim Abbau von so genanntem oxidativem Stress. Dieser tritt in unserem Körper immer dann auf, wenn durch ein Übermaß an Oxidation freie Sauerstoffradikale in Zellen und Geweben zu finden sind. Denn solche Radikale sind ungebunden und haben die Tendenz, so schnell wie möglich mit einem geeigneten Stoff zu reagieren. Denn nur dadurch schaffen sie es, in eine stabilere Form überzugehen. Doch eine solche Reaktion zwischen dem Sauerstoff und einer anderen chemischen Substanz ist das, was man eine Oxidation nennt. Eine Oxidation kennt man sowohl vom Rostvorgang bei Metallen, als auch von Verbrennungen.

Aus dem ursprünglich bestehenden Stoff ist durch die Oxidation ein anderer geworden. Eine Tatsache, die für unseren Körper sehr schädlich sein kann. Denn gerade auf Zellebene kann der Schaden, den solche unkontrollierten Oxidationen anrichten können verheerend sein. Fehlerhaftes Erbgut, absterbende Zellen und vieles mehr sind meist die Folge. Wir nehmen dies dann meist als vorzeitige Alterungsprozesse und ähnliches wahr.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir unserem Körper regelmäßig Antioxidantien zur Verfügung stellen, beziehungsweise, dass er diese selbst herstellt. Genau als ein solches Antioxidants kann eben auch Melatonin wirken.

Vor allem auch die Tatsache, dass Melatonin sowohl in wässrigem, als auch in fettigem Milieu als Antioxidans wirksam ist, macht es zu einem sehr vielseitigen Helfer gegen die vorzeitige Zellalterung. Doch nichtsdestotrotz bleibt in Deutschland der Einsatz dieses Hormons für diesen Zweck verboten.

Wie der Melatonin Haushalt durcheinander kommen kann

Die meisten Menschen leben ihr Leben, ohne sich auch nur ein einziges Mal Gedanken um ihren Tag-Nacht-Rhythmus machen zu müssen. Vor allem auch durch den Alltag, in dem die Arbeit im Vordergrund steht und den Tagesablauf meist dominiert, haben sie im Allgemeinen eh einen von der Gesellschaft akzeptierten Rhythmus in ihrem Leben.

Doch gibt es Menschen, die ohne Druck von außen gerade am Abend munter und kreativ werden, dafür aber tagsüber nur schwer in die Gänge kommen. So lange diese Personen in der Lage sind, ihre berufliche Situation und sonstigen Lebensgewohnheiten mit ihrem persönlichen Rhythmus zu kombinieren, besteht kein Leidensdruck und somit auch kein Handlungsbedarf. Zumindest nicht, wenn sie dafür sorgen, dass ihre Erholungs- und somit Schlafphase lange genug sind, dass ihr Körper sich genügend regeneriert.

Auch Menschen, die häufig Langstreckenflüge unternehmen und dabei mehrere Zeitzonen überwinden, haben oftmals zumindest vorübergehend Probleme mit ihrem Schlafrhythmus. Diese Probleme treten stärker auf, wenn solche Flüge von Westen nach Osten führen und auch wenn bei den Reisen gleich mehrere Zeitzonen überbrückt werden. Solche, auch Jet-Lag genannten Störungen, können bei empfindlichen Menschen bis zu eine Woche lang Schlafprobleme verursachen.

Eine weitere Personengruppe, die Probleme mit dem Schlaf bekommen kann sind Nacht- und Schichtarbeiter. Durch die berufliche Situation wird ihr Körper dazu gezwungen quasi auf Kommando zu entspannen und dann vermehrt Leistung zu erbringen, wenn er eigentlich alle Systeme auf Erholung programmiert hat. Dazu kommt, dass die Müdigkeit mit aufputschenden Genussmitteln und vor allem bei jahrelang anhaltender Situation oft auch mit Hilfe von anderen Stoffen, wie Aufputschmitteln und Drogen bekämpft wird.

So kann bei gleicher körperlicher und seelischer Belastung der Schichtdienst zu einer deutlich beschleunigten Alterung der Betroffenen auf Zellebene und in Folge dann auch von außen deutlich sichtbar die Folge sein. Auch gesundheitliche Probleme, wie Infektanfälligkeit, Probleme mit dem Bewegungsapparat und vieles andere sind häufig die Folge eines erzwungenen Schlafverhaltens.
Selbst Menschen, die die meiste Zeit ihres Lebens nie Probleme mit dem Nachtschlaf haben, können im Alter Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen bekommen. Dies ist zwar häufig auf andere Erkrankungen zurückzuführen, hat aber oft genug auch seinen Ursprung in der nachlassenden Melatoninproduktion. Während solche Personen früher regelmäßig 6-8 Stunden Schlaf benötigten, um sich am Morgen wohl und erholt zu fühlen, schaffen sie es später kaum noch auch 4 Stunden zusammenhängenden Nachtschlaf. Die Folgen sind Müdigkeit, Anfälligkeit für Infekte und oft auch der so genannte Sekundenschlaf.

Manche blinde Menschen haben das Problem, dass die Lichtreize nicht an das Gehirn weitergeleitet werden. Dadurch erhält die Zirbeldrüse auch nicht die Information, dass sie mit der Produktion des Schlafhormons beginnen, beziehungsweise stoppen soll. So kann diesen Blinden passieren, dass sie ein sehr unregelmäßiges Schlafverhalten haben. Ihr Zeitempfinden ist meist verlängert, so dass ihr persönlicher Tagesrhythmus mehr in Richtung 25 Stunden, als die üblichen 24 Stunden geht. Vor allem, Personen, denen die Augäpfel amputiert wurden, leiden unter dadurch auftretende Schlafstörungen.

Vor allem im Winter, wenn durch anhaltend schlechtes Wetter die Menge an Tageslicht nicht ausreicht, um die Melatoninproduktion im Gehirn komplett zu stören, kann es passieren, dass Patienten zu Schlafstörungen, Depressionen und überhöhter Müdigkeit neigen. Verständlich, wenn man sich klar macht, wie ähnlich sich die beiden Hormone Serotonin und Melatonin sind. Vor allem aber auch wegen der Tatsache, dass die Zirbeldrüse diese beiden herstellt und die Serotoninproduktion zu Gunsten des Schlafhormons beendet.
Dagegen hilft nur, ein Höchstmaß an Tageslicht auszunutzen, indem man sich so viel wie möglich tagsüber im Freien aufhält. Vor allem, wenn dies nicht möglich ist, kann auch eine Lichttherapie die benötigte Lichtmenge liefern, die die Hormonproduktion wieder normalisiert.

Melatonin als Medikament

Die Zulassung, die Melatonin in Deutschland als Medikament erhalten hat, bezieht sich einzig auf seine Fähigkeit Schlafprobleme zu beheben, die in Folge von Melatoninmangel entstanden sind. Vor allem für Menschen über 55 Jahren, bei denen die Melatoninproduktion nicht mehr ausreicht, um einen erholsamen Schlaf zu gewährleisten, dürfen mit diesen Produkten kurzzeitig behandelt werden.

Nicht erlaubt und auch nicht sinnvoll ist der Einsatz des Hormons allerdings bei Schlafstörungen, die aus einem anderen Grund auftreten. So muss in solch einem Fall statt dessen die Grunderkrankung behandelt werden.

Beim Einsatz von Melatoninpräparaten kann es passieren, dass deren Wirkung nicht sofort spürbar ist. Oftmals ist es zuerst nötig, dass der Patient die Einnahme über mehrere Tage fortführt, bevor sich der erholsame Schlaf einstellt. In leichten Fällen kann es jedoch schon ausreichen, dass die Patienten dafür sorgen, dass sie sich über Tage einer großen Menge Tageslicht aussetzen und am Abend schon frühzeitig damit beginnen, das Licht zu dämpfen. So sollte sich die Hormonproduktion und -Ausschüttung normalisieren und der Körper beginnen, müde zu werden. Wer zusätzlich darauf achtet, dass der Schlafraum gut gelüftet, ruhig und konsequent abgedunkelt ist, sollte bald einen erholsamen Nachtschlaf genießen können.

Auch Nachtarbeiter, Schichtarbeiter und Vielreiser können durch die kurzzeitige Einnahme von Melatonin ihre Schlafprobleme in den Griff bekommen. Allerdings sollte eine solche Behandlung nicht länger, als drei Monate anhalten. Sonst ist mit Nebenwirkungen, wie Unkonzentriertheit und Müdigkeit zu rechnen. Einige Medikamente, wie Medikamente zur Epilepsiebehandlung, Antidepressiva vom Typ SSRI und andere können zu unerwünschten Wechselwirkungen mit Melatonin führen. Eine gleichzeitige Einnahme sollte also unbedingt vorher mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.