Auf die Gesundheit

Leistenbruch – was nun?

Was eine Leiste ist

Immer wieder hört man das Wort Leistenbruch, doch nur die wenigsten Menschen wissen, was diese Leiste tatsächlich ist. Um sich genau vorstellen zu können, was bei einem Leistenbruch passiert, ist es wichtig, sich ein Bild von der Leistengegend zu machen. Als Leiste bezeichnet man den Bereich des vorderen Körpers, wo Bein und Rumpf aufeinander treffen. Die beiden Leistenregionen eines Menschen sind dreieckig geformt. Die obere Seite der Dreiecke liegt dabei auf der Höhe der Darmbeinkämme, also der Oberkante des Beckens. Beugen Sie Ihre Beine, so befindet sich die Beugefalte genau in der Mitte der Leiste. Wie die Bauchdecke auch wird die Leiste durch Muskeln, Bänder und Fasern abgedeckt. Ihre Besonderheit ist es jedoch, dass der so genannte Leistenkanal eine natürliche Schwachstelle darstellt. Dieser Leistenkanal ist für uns Säugetiere sehr wichtig. Durch ihn verlaufen nämlich verschiedene Blutgefäße und Nerven. Während der Entwicklung bilden männliche Föten die Hoden in der Bauchhöhle. Doch später wandern diese durch genau diesen Leistenkanal nach außen, um dort vor zu viel Körperwärme geschützt, lebensfähige Spermien produzieren zu können.

Indirekter Leistenbruch bei jungen Menschen

Normalerweise schließt sich der Leistenkanal, nachdem sich die Hoden abgesenkt haben. Doch kommt es immer wieder vor, dass sich dieser Leistenkanal eben nicht oder zumindest nicht vollständig schließt. Das begünstigt dann bei dem betroffenen Jungen einen Leistenbruch. Vielleicht beim Schulsport, beim Klettern und Toben oder sonst einer Druck erzeugenden Tätigkeit.

Wie es zu einem direkten Leistenbruch kommt

Auf jedem Leistenkanal lastet im Laufe unseres Lebens ein ständiger Druck, der durch die Organe, die im Bauch gelegen sind, sowie die Bauchmuskulatur erzeugt wird. Doch es gibt Umstände, durch die dieser Druck noch erheblich ansteigen kann. Zum Beispiel wenn wir etwas Schweres heben, aber auch so selbstverständliche Körpervorgänge wie Husten, Niesen oder ein starkes Pressen bei einer Verstopfung lassen den Druck aus dem Inneren der Bauchhöhle immens ansteigen. Meist stellen diese Drücke aber kein Problem dar, da die starken Muskeln und die Bänder und das Bindegewebe den Leistenkanal sicher stützen. Sie bilden, wie bei allen Körperhöhlen, eine sichere und zuverlässige Hülle. Doch kann zum Beispiel eine angeborene Bindegewebsschwäche zu Schwachstellen innerhalb dieser Hülle führen. Und dann ist es möglich, dass es zu einem Leistenbruch kommt. Der Mediziner spricht von einer Hernia inguinalis, oder auch einer Leistenhernie. So ein Leistenbruch trifft neunmal mehr Männer als Frauen und führt dazu, dass sich der Inhalt der Bauchhöhle, zuerst das Bauchfell und dann auch meist Teile des Darms, durch diese Bruchstelle nach außen drücken. Man sieht dann auf der Haut eine Beule. In Folge einer solchen Darmausstülpung kann es dazu kommen, dass die ausgetretenen Darmabschnitte abgequetscht werden und so absterben. Diese Gefahr muss man unbedingt verhindern. Deshalb sollten Sie mit einem Leistenbruch nicht spaßen, sondern unbedingt schnell einen Arzt aufsuchen. Selbst wer mit einem starken Bindegewebe geboren wurde ist nicht komplett vor einem Leistenbruch sicher. Denn im Laufe unseres Lebens wird das Bindegewebe schwächer. Das ist der wesentlichste Grund dafür, dass vor allem ältere Menschen von Leistenbrüchen betroffen sind.

Risikofaktoren für den Leistenbruch

Menschen mit einem schwachen Bindegewebe müssen jedoch nicht zwingend auch einen Leistenbruch erleiden. Es gibt einige Risikofaktoren, die das Ausbilden einer Hernie jedoch erheblich vergrößern. Dazu gehört ein starkes Übergewicht, aber auch eine Bauchwassersucht, wie sie zum Beispiel bei einer Lebererkrankung auftreten kann. Auch eine Schwangerschaft kann stark auf die Leistenkanäle drücken und bei der Schwangeren zu einem Leistenbruch führen. Auch eine Allergie, die Sie dazu zwingt, häufig zu husten und zu niesen kann die Gefahr für einen Leistenbruch erheblich erhöhen. Weitere Risiken für einen Leistenbruch sind eine Prostatavergrößerung und auch eine chronische Verstopfung können die Druckverhältnisse im Unterbauch derart ungünstig beeinflussen, dass ein Leistenbruch entstehen kann.

Woran Sie einen Leistenbruch erkennen

Das wichtigste und vor allem auch für Laien am leichtesten zu erkennende Symptom einer Leistenhernie ist die Ausstülpung. Sie ist ertastbar und vor allem meist schon mit dem bloßen Auge zu sehen. Manche Leistenbrüche erzeugen nur sehr leichte Beschwerden, auch wenn es zu einer tast- oder sichtbaren Ausstülpung kommt. Meist sind sie dann nicht stark und verhältnismäßig harmlos. Nichts desto trotz sollten Sie zur Sicherheit Ihren Arzt aufsuchen. Zu einem medizinischen Notfall entwickelt sich ein Leistenbruch aber spätestens, wenn sich weitere Symptome zeigen. Diese können Schmerzen, Übelkeit, Fieber, Erbrechen und ein starkes Hitzegefühl im Leistenbruch sein. Solche Symptome können ein Zeichen dafür sein, dass sich eine Entzündung gebildet hat oder gar, dass der Bruchinhalt abgeklemmt wird und abstirbt. Dadurch kann sich ein erhebliches Gesundheitsrisiko bis hin zu einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung oder auch einer generalisierten Blutvergiftung entwickeln. Eine sofortige Operation ist zwingend notwendig.

Therapieoptionen bei einem Leistenbruch

Die Schulmedizin ist sich beim Leistenbruch generell einig. Ein Leistenbruch ist eine Situation, die zu einem medizinischen Notfall ausarten kann und sollte deshalb grundsätzlich immer operiert werden. Die Gefahr, die Ärzte im Leistenbruch sehen ist, dass er sich von alleine im Allgemeinen nicht wieder zurückbildet, sondern sich stattdessen meist verschlimmert. Das bedeutet, dass die Stelle, an der der Bruch besteht im Laufe der Zeit weiter aufbricht und der Durchtritt somit größer wird. Dies würde bedeuten, dass sich zu Beginn vielleicht nur ein wenig Bauchfellgewebe durch die Bruchstelle gedrückt hat und sich dieses womöglich auch wieder in die Bauchhöhle zurückschieben lässt. Vergrößert sich der Bruch aber, dann wird die Gefahr immer größer, dass auch andere Gewebe und vor allem der empfindliche und lebensnotwendige Darm in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Darm ist jedoch praktisch immer mit Nahrungsbestandteilen und Mikroorganismen gefüllt. Und diese Organismen führen ihr Leben. Stoffwechselprozesse ermöglichen ihre Energieversorgung. Doch bei Stoffwechselprozessen entstehen auch immer Abfallprodukte. Dies können zum Beispiel auch Gifte und Gase sein und diese können für das Gewebe im Bruch eine verheerende Folge haben. Das Gewebe kann zum Beispiel absterben, aber auch die Gefahr des Platzens ist nicht zu unterschätzen. Genau wie bei einem geplatzten Blinddarm besteht in beiden Fällen akute Lebensgefahr für den Patienten.

Es gibt aber auch alternative Therapieansätze zur Behandlung von Leistenbrüchen. Bevor man sich zu diesen Entschließt, sollte man sich aber immer zuerst von seinem behandelnden Arzt gründlich untersuchen lassen. Außerdem ist es ratsam sich regelmäßig während der Therapie beim Arzt vorzustellen. So vermeiden Sie, dass es unbemerkt dazu kommt, dass sich eine gefährliche Situation entwickelt. Ein wichtiger Bestandteil alternativer Therapieansätze ist die Ernährung. Denn durch sie kann man nicht nur die Nährstoffzufuhr steuern, sondern auch die Drucksituation im Bauch. Denn bei einem akuten Leistenbruch sollte jeder unnötige Druck von innen vermieden werden. Blähende Nahrung und ein Übermaß an Bauchvolumen schieben immer wieder Gewebe von innen durch die Bruchstelle. Doch über die Ernährung kann man auch Nährstoffe zuführen, die das Bindegewebe stärken. Neben einer basischen Ernährung sind Vitamin C und Selen sehr wichtig, um das Bindegewebe zu stärken. Auch die Mineralien Kalzium, Magnesium, Kupfer, Kalium und Natrium sind die Basis, aus der sich ein straffes Bindegewebe entwickelt. Dazu benötigt der Körper Glucosaminsulfat und Chondroitinsulfat, um ein gesundes und belastbares Bindegewebe aufbauen zu können. Doch ist die Ernährung nicht alles. Denn um gesund zu bleiben braucht das Bindegewebe das richtige Maß an Bewegung. Diese sorgt dafür, dass Schlacken und Gifte schnell ausgeleitet werden, aber auch, dass die Versorgung des Gewebes mit Nährstoffen, Blut und Sauerstoff dauerhaft gewährleistet ist.

Für die alternative Behandlung eines Leistenbruches gibt es jedoch zusätzlich ganz spezielle Übungen, die die muskuläre Situation der Leistengegend so verbessern, dass sich ein Leistenbruch wieder dauerhaft schließen kann. Besonders in den asiatischen Gesundheitslehren des Qi Gong und Yoga kennt man eine Reihe geeignete und leicht zu erlernende Übungen. Es ist jedoch, wie bei den meisten alternativen Therapien so, dass man viel Eigeninitiative ergreifen und auf Dauer seine Lebens- und Ernährungsgewohnheiten ändern muss, um in Zukunft vor dem Leistenbruch Ruhe zu haben. Wer eine verhältnismäßig bequeme und schnelle Lösung sucht, ist mit einer Operation besser beraten.

Die Leistenbruch Operation

Für welche Operationsmethode sich der Chirurg entscheidet hängt von mehreren Faktoren ab. Zum Einen vom Alter des Patienten, aber auch von der Lage und der Größe des Leistenbruchs. Aber auch die Frage, ob ein Mann oder eine Frau vom Bruch betroffen ist, ist wesentlich bei der Auswahl. Bei der Operation nach Shouldice legt der Operateur den Bruchsack frei und öffnet ihn, um im Anschluss das eingeklemmte Gewebe zurück in seine ursprüngliche Lage in der Bauchhöhle zu bringen. Im Anschluss daran wird alles wieder vernäht. Damit die Bruchstelle auch dauerhaft Halt bekommt, wird sie mit benachbartem Bindegewebe vernäht. Diese Operationsmethode ist schonend, denn sie kann unter einer Teilnarkose durchgeführt werden. Dazu kommt, dass die Schnitte klein sind und außer dem Faden kein Fremdmaterial in den Körper gelangt. Dadurch ist das Risiko allergischer Reaktionen gering. Besonders bei jungen Menschen und kleinen Leistenbrüchen ist dies die Methode der Wahl.

Bei Patienten, bei denen damit gerechnet werden muss, dass die Bruchstelle stärkerer Last ausgesetzt ist, vernäht man ein spezielles Kunststoffnetz in die Bruchstelle. Dies macht auch bei älteren Patienten und bei großen Leistenbrüchen die Bruchstelle sicher. Das Kunststoffnetz verbleibt allerdings dauerhaft im Körper, was zu Reaktionen führen kann. Moderne Netze werden jedoch allgemein sehr gut vertragen. Auch bei mikrochirurgischen Operationsverfahren, wie die TEP und TAPP wird die Bruchstelle mit einem Netz gesichert, nachdem das Gewebe wieder an Ort und Stelle ist. Der Unterschied der beiden Verfahren liegt darin, von wo aus der Bauch geöffnet und die extrem kleinen Instrumente in den Körper eingeführt werden. Während man bei der TEP Operation direkt in der Leistenregion arbeitet, schneidet der Chirurg bei TAPP im Bauchnabel und im Mittelbauchbereich.

Nach einem solchen minimal-invasivem Eingriff, wie diese Verfahren auch genannt werden, ist der Patient besonders schnell wieder auf den Beinen und kann sich meist nach etwa einer Woche schon wieder sportlich und körperlich betätigen. Vor allem junge Patienten, die im Berufsleben stehen erhalten oft eine solche Operation. Für ältere Menschen kann die Tatsache, dass man hier unter Vollnarkose operiert zu einem Problem werden, weswegen man hier eher eine andere Methode wählt.