Auf die Gesundheit

Heilende Kräfte der Artischocke

Mit ihrer außergewöhnlichen Form mutet die Artischocke immer noch recht exotisch an. Dabei ist sie auch hierzulande ein sehr beliebtes Gemüse und gilt je nach Zubereitungsart regelrecht als Delikatesse. Dass sie zudem über heilende Kräfte verfügt, wissen allerdings die Wenigsten. Dabei wurde die Artischocke 2003 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt.

Allgemeines über Artischocken

Die Artischocke ist eine distelartige Pflanze aus der Familie der Korbblüter. Geerntet wird der essbare Teil der Blütenstände. Es handelt sich hierbei bei den großen Artischocken um den so genannten Blütenboden und den unteren fleischigen Teil der Blütenblätter. Artischockenherzen, die eine besondere Delikatesse sind, sind eigentlich der untere Teil des Kelchblattes. Kleinere Artischocken werden im Ganzen verarbeitet und verzehrt.

Geschichte der kultivierten Artischocke

Dass die Artischocke keine heimische Pflanze ist, erklärt sich durch ihre Frostempfindlichkeit. Ihre Heimat ist daher in wärmeren Regionen zu suchen. So stammt sie ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und hielt von Persien aus Einzug nach Nordafrika und in den südeuropäischen Raum. Bereits im alten Ägypten erfreute sie sich großer Beliebtheit, auch aufgrund der ihr nachgesagten Heilkräfte. So fand sie auf altägyptischen Darstellungen immer wieder Berücksichtigung. Kultiviert und veredelt wurde die Artischocke schließlich im heutigen Italien. Die Römer wussten um ihre heilende Wirkung, bis ins Mittelalter hinein galt die Artischocke als beliebte Heilpflanze für allerlei Gebrechen, insbesondere jedoch für alle Krankheiten den Magen und die Leber betreffend.

Im 15. Jahrhundert schließlich entdeckte man insbesondere im norditalienischen Raum das Distelgemüse auch als Delikatesse. Schnell fand sie dann bei Feinschmeckern in Spanien und Frankreich Verbreitung. Da Artischocken sehr teuer waren, war sie bei Reichen und Adeligen bis ins 18. Jahrhundert hinein äußerst beliebt. Die Artischocke wurde Symbol für die gehobene Gesellschaft.

Nachdem die Artischocke in den darauf folgenden zwei Jahrhunderten zunächst in Vergessenheit geriet, ist sie heutzutage wieder beliebtes Gemüse und anerkannte Heilpflanze.

Heilende Wirkung

Den Ruf als Heilpflanze verdankt die Artischocke in erster Linie dem Bitterstoff Cynarin. Er ist nicht nur für ihren bitteren und prägnanten Geschmack verantwortlich, der der Artischocke ihre ganz besondere Note gibt, sondern übt auch einen günstigen Einfluss auf den Magen und die Verdauung aus. Insbesondere die Verdauung von Fetten wird hierbei angeregt und die Leber dadurch entlastet. Cynarin wird heute in getrockneter Form in verschiedenen Medikamenten verwendet und hilft bei:

  • Völlegefühl
  • Bauchschmerzen
  • Verdauungsproblemen und
  • Appetitlosigkeit.

Doch das Wundergemüse kann noch mehr. Neben dem erwähnten Cynarin sind in Artischocken Vitamin C und B, Kalium, Magnesium, Calcium, Kupfer und Mangan erhalten ebenso wie eine äußerst hohe Konzentration an Eisen. Bereits 100 g der Artischocke decken demnach den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Eisen. Alle diese Wirkstoffe bilden eine gesunde Kombination für den menschlichen Körper. Durch den Verzehr der Artischocken werden die Leberzellen dazu angeregt, vermehrt Gallensäure zu produzieren. Auch wird das Cholesterin aus der Leber ausgestoßen. Da Artischocken regulierend auf den Fettstoffwechsel wirken, wird Folgeerkrankungen wirksam vorgebeugt. Die außerdem enthaltenen Karotinoiden wirken gegen freie Radikale im Körper.

Worauf achten beim Kauf?

Artischocken sind in den Gemüseabteilungen gut sortierter Supermärkte und auf den Wochenmärkten gut zu finden. Sie werden meist aus Italien, Spanien und Frankreich importiert. Frische Artischocken erkennt man an den Knospen. Je geschlossener und eng anliegender sie sind, umso frischer ist die Gemüsepflanze. Die Farbe der Hüllblätter kann Hellgrün, Grün oder Violett sein. Dies hat nichts mit der Frische der Artischocke zu tun sondern mit dem Herkunftsort der Pflanze. So stammen die grünen Artischocken aus Spanien und Italien, die südfranzösischen erkennt man an der violetten Färbung. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass die Frucht fest ist und keine dunklen Verfärbungen aufweist.

Das frische Gemüse lässt sich problemlos bis zu fünf Tage im Gemüsefach des Kühlschranks aufbewahren. Im besten Fall wickelt man sie in ein feuchtes Tuch. Beim Kauf der Artischocke achtet man am besten auf den Stiel der Blüte. Dieser versorgt sie mit Wasser. Je länger der Stiel also ist, umso länger bleibt die Frucht frisch.

Zubereitungsmöglichkeiten

Im frischen Gemüse sind alle Wirkstoffe voll enthalten. Entsprechend zubereitet, kann die Artischocke nicht nur ihre Heilkräfte auf Magen und Leber entfalten, sondern ist zudem eine reine Gaumenfreude. Doch viele schrecken davor zurück, frische Artischocken zu kaufen, da sie sich bei der Zubereitung unsicher sind. Dabei ist dies gar nicht so kompliziert.

Artischocken sind nur gegart genießbar. Hierfür verwendet man den Boden und die Blütenblätter. Dies müssen zunächst geputzt werden, indem man die außen sitzenden Stacheln entfernt. Dies ist zugegebenermaßen eine müßige Arbeit, wer diese jedoch nicht scheut, wird mit einem Gaumengenuss belohnt.

Um die Artischocke weniger bitter schmecken zu lassen, gart man sie in kochendem Wasser mit Zitrone. Hierzu empfiehlt es sich, die ganze Knospe mit einem Küchengarn zu umwickeln, damit sie sich während des Garvorganges nicht öffnet und zerfällt. Die Garzeit variiert je nach Größe der Artischocke von 15 bis zu 45 Minuten, beträgt aber durchschnittlich ca. 30 Minuten.

Gegart kann die Artischocke ein recht prägnant schmeckendes Beilagengemüse sein, klein geschnitten wird es oft in italienischen Gerichten verwendet, beispielsweise auf Pizza oder in Pasta-Soßen. Als Vorspeise und leichtes Hauptgericht kann Artischocke ähnlich wie Spargel zubereitet und serviert werden. Mit einer würzigen Vinaigrette ist das noch warme Gemüse ein leichtes und figurfreundliches Gericht, mit einer Sauce Hollandaise freut sich die Figur vielleicht weniger, dafür ist es ein echter kulinarischer Genuss.

Selbstverständlich eignet sich die Artischocke – insbesondere die Artischockenherzen zum Einlegen in einen würzigen Essigsud.

Extrakte der Artischocke sind in Kapseln, Pulver und Tees enthalten, die in Apotheken und Reformhäusern erhältlich sind. Somit kann die volle Heilwirkung der Artischocke durchaus auch problemlos durch die Einnahme derselben garantiert werden, ohne sich an die müßige Zubereitung des Gemüses wagen zu müssen.

Wer sich jedoch die Mühe macht, die Distelpflanze ins Kochrepertoire aufzunehmen, nicht nur seinem Körper etwas Gutes, sondern wird mit einem köstlichen Geschmackserlebnis belohnt.