Auf die Gesundheit

Gesund durch das Reibesitzbad

Das Vermächtnis des Naturheilpioniers Louis Kuhne

Luis Kuhne, der im 19. Jahrhundert zu den großen Heilkundigen zählte, entwickelte diese Wasseranwendung, die bis heute in der Naturheilpraxis als wirkungsvolles Verfahren gilt, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Kuhne vertrat die Auffassung, das von ihm entwickelte Reibesitzbad könne, richtig angewendet, gegen zahlreiche Erkrankungen helfen und zur Stärkung des Immunsystems beitragen.

So unwahrscheinlich es Laien aufgrund der merkwürdig anmutenden Anwendung erscheint: Bis heute wird das Reibesitzbad mit Erfolg im Rahmen der naturheilpraktischen Behandlung angewendet. Es soll bei den unterschiedlichsten gesundheitlichen Problemen Abhilfe schaffen:

  • Unterleibsprobleme
  • Menstruationsbeschwerden
  • Erkrankungen der Geschlechtsorgane
  • Rheuma
  • Gicht
  • Entzündungen
  • Schwächungen des Immunsystems
  • Schlaflosigkeit
  • Fieber
  • Beschwerden im Bereich des Magen-Darm-Trakts
  • Nervenleiden

Selbst bei Erkrankungen der Augen und der inneren Organe verzeichnen Naturheilpraktiker laut eigener Angabe beachtliche Erfolge. Jedoch stehen diese immer in Abhängigkeit zu dem restlichen Gesundheitszustand des Erkrankten.

Wie erfolgt die Anwendung?

Um ein Reibesitzbad durchzuführen, bedarf es einer Konstruktion, in der der zu Behandelnde sich unmittelbar über eine größere Menge Wasser setzen und die Geschlechtsteile damit waschen kann, ohne dass die übrigen Körperteile nass werden. Kuhne entwickelte hierfür ein Sitzbrett, das in eine Badewanne eingesetzt wurde. Die Füße des Patienten wurden auf einer Fußbank platziert. Nun konnte Wasser bis in Höhe des Sitzbretts eingelassen werden. Heutzutage verwendet man auch Sitzhocker, die in eine Badewanne gestellt werden, während die Füße entweder ebenfalls auf kleine Hocker platziert werden können oder sogar auf den Badewannenrand gelegt werden, wenn der Behandelte über die notwendige Gelenkigkeit verfügt. Eine mit Wasser gefüllte Kinderbadewanne, die unter einem Sitzhocker steht, erfüllt ebenfalls ihren Zweck. Am leichtesten kann das Reibesitzbad jedoch durchgeführt werden, wenn man ein Bidet besitzt. In allen Varianten sitzt der Badende nicht unmittelbar im Wasser, lediglich die Geschlechtsteile befinden sich direkt über der Wasserfläche.

Der Raum, in dem das Reibesitzbad durchgeführt wird, sollte angenehm warm sein. Es ist für den Behandlungserfolg äußerst wichtig, dass der Badende nicht friert. Daher sollten auch nur die Geschlechtsteile freigelegt sein, der übrige Körper sollte durch entsprechende Kleidung und Decken gewärmt werden.

In die Wanne füllt man nun kaltes Wasser. Es sollte so kalt sein, wie es in der Natur zu finden ist, also je nach Kondition des Badenden zwischen 10 und 15 Grad Celsius betragen. Manche Heilpraktiker schwören darauf, geriebene Zitronenschale dem Wasser zuzuführen. In der ursprünglichen Behandlungsweise des Reibesitzbades ist dies jedoch nicht vorgesehen. Mit einem Tuch (wahlweise aus Jute oder Leinen) taucht man nun wiederholt in das kalte Wasser und wischt damit dann leicht über die äußeren Geschlechtsteile. Auch wenn der Begriff Reibesitzbad etwas anderes assoziiert, sollte keinesfalls mit Druck gerieben werden. Die Anwendung erfolgt immer auf sanfte Weise. Auch ist es äußerst wichtig zu beachten, dass nur die äußeren Geschlechtsteile auf diese Art gewaschen werden, nicht die inneren. Bei Frauen wird mit dem Tuch somit lediglich über den Schamhügel und die äußerlichen Schamlippen gestrichen. Bei Männern ist darauf zu achten, dass der Badende mit zwei Fingern die Vorhaut über der Eichelspitze zusammenhält und so verhindert, dass bei der Waschung der Penisspitze die Eichel selbst benässt wird.

Die Anwendung kann je nach Verfassung des Badenden zwischen 10 und 30 Minuten lang erfolgen.

Wie wirkt das Reibesitzbad?

Der Erfolg des Reibesitzbades ist auf seine vielfache Wirkungsweise zurückzuführen. Zum einen handelt es sich beim Genitalbereich um die Stelle, an der die wichtigsten Nervenenden des Körpers zusammenlaufen sollen, insbesondere die Rückenmarksnerven und Hauptnerven des Unterleibs. Durch das Reibesitzbad werden diese angeregt und leiten entsprechende Impulse an das Gehirn weiter, das maßgeblich alle wichtigen Körperfunktionen steuert.

Zum zweiten wirken die kalten Waschungen wie Kompressen und Wickel um Hitzezustände wie Fieber und hormonell bedingte Hitzewallungen zu regulieren. Dadurch werden auch diverse Reizungen und Entzündungen gemildert.

Wie alle kalten Güsse sind auch Reibesitzbäder dazu angetan, die Durchblutung des Körpers anzuregen. Durch die verbesserte Durchblutung ist eine positive Wirkung auf alle Organe und den Kreislauf zu erwarten.

Da der Verdauungsapparat ebenso angeregt wird, sind Reibesitzbäder nach allgemeiner Auffassung und gemäß den Beschreibungen von Louis Kuhne bestens dazu geeignet, die Entgiftungsfunktion des Körpers zu aktivieren, so dass es zu einer natürlichen Entschlackung kommt.

Wunder erwartet?

Auch wenn Louis Kuhne häufig mit seiner Aussage zitiert wird, man könne mit seinen Wasseranwendungen jede Krankheit heilen, ist dies aus dem Zusammenhang gerissen. Selbstverständlich kann vom Reibesitzbad kein Wunder erwartet werden. An anderer Stelle betonte der Naturheilpraktiker, dass es wohl möglich sei, alle Krankheiten zu heilen, jedoch nicht jeden Erkrankten. Es ist logisch, dass viele andere Faktoren dazu beitragen, dass ein Mensch gesund wird und es auch bleibt.

Die Praxis der Reibesitzbäder hat sich jedoch seit rund 130 Jahren bewährt, ihre wohltuende und anregende Wirkung ist unbestritten. Die Anwendung kann in keinem Fall schaden, sondern die Heilung neben anderen Maßnahmen positiv beeinflussen. Voraussetzung ist jedoch die richtige Anwendung. So darf es zu keiner Zeit zu einer Unterkühlung des Badenden kommen. Wer sich mit der Durchführung des Reibesitzbades unsicher ist, ist gut darin beraten, dies unter fachmännischer Anleitung eines Heilpraktikers durchführen zu lassen. Für die Selbstbehandlung gibt es darüber hinaus zahlreiche Lehrbücher, die das Prinzip und die Anwendung verständlich erläutern.