Auf die Gesundheit

Fibromyalgie – chronische Schmerzen und mehr

Vor allem Frauen sind von einer sehr schwer zu erfassenden und vor allem ausgesprochen vielfältigen Krankheit bedroht, der Fibromyalgie. Während man in den USA von etwa 2% Betroffenen unter der Gesamtbevölkerung ausgeht, rechnet man in Europa mit bis zu 13% Erkrankten in der Gesamtbevölkerung. Dabei sind Frauen etwa 7 Mal häufiger betroffen als Männer.

Bei den meisten Betroffenen tritt die Erkrankung im mittleren Lebensalter auf. Selten wird bei über Sechzigjährigen diese Erkrankung erstmals diagnostiziert. Es ist jedoch recht häufig, dass schon Kinder oder Jugendliche erste Anzeichen dieser Erkrankung zeigen, wobei die Symptome jedoch häufig zunächst erst einmal anders gedeutet werden. Meist werden die Schmerzen in den Gelenken und Muskeln sowie die verminderte Belastbarkeit der jungen Menschen auf das Wachstum geschoben und tatsächlich verringern sich die Symptome häufig, sobald diese wichtige Phase in ihrem Leben abgeschlossen ist.

Am häufigsten tritt die Fibromyalgie bei Frauen in Verbindung mit den Wechseljahren das erste Mal in Erscheinung. Doch dauert es lange, bis eine eindeutige Diagnose vorliegt, und selbst dann, ist die Therapie dieser heimtückischen und vor allem sehr individuellen Krankheit sehr kompliziert.

Körperliche Symptome

Denn nicht nur dass sehr viele verschiedene körperliche Symptome in Erscheinung treten können, diese verändern sich auch noch sehr häufig im Laufe der Zeit. Während das Leiden mit Schmerzen im Schulter- oder Lendenbereich beginnt, können Sie sich mit den Jahren in allen Muskeln und sogar in den verschiedensten Gelenken festsetzen. Dabei treten sie häufig genauso plötzlich auf, wie sie wieder verschwinden. Bei anderen Patienten hingegen bestehen die gleichen Beschwerden über Jahre.

Der Begriff der Fibromyalgie bezieht sich in erster Linie auf die typischen Muskel- beziehungsweise Muskelfaser-Schmerzen, über die die Mehrheit der Erkrankten Personen klagen. So lässt sich das Wort mit Schmerzleiden der Muskelfasern übersetzen. Häufig klagen Patienten, die zum ersten Mal wegen dieser Erkrankung bei einem Therapeuten vorsprechen deshalb über schmerzhafte Druckpunkte in den Muskeln und Sehnenansätzen.

Oft klagen betroffene Patienten aber auch über eine allgemeine morgendliche Steifigkeit, aber auch über Schmerzen in den Hüftknochen, Finger- und Zehengrundgelenken und selbst im Kiefer können die Schmerzen auftreten.

Während die mit der Fibromyalgie vergleichbaren rheumatischen Erkrankungen meist in erster Linie Gelenke befallen, sind die Muskelfaserschmerzen eines der Hinweise für den Therapeuten, dass es sich bei der Krankheit um die Fibromyalgie handelt.

Schwere Diagnose

Ein weiteres Indiz für eine Fibromyalgie stellt auch die Tatsache dar, dass sich zwar Entzündungsschmerzen zeigen, aber bei den Laboruntersuchungen meist keine dazugehörigen Werte abweichen. Das heißt, während bei anderen entzündlichen Erkrankungen, die Schmerzen und Entzündungen mit einer typischen Erhöhung der so genannten Entzündungsparameter einhergehen, zeigen sich bei Fibromyalgiepatienten meist keine Abweichungen von den Normalwerten. Auch Rheumafaktoren, Antikörper und die Blutsenkungsgeschwindigkeit, die bei anderen Erkrankungen einen Hinweis geben können, sind bei der Fibromyalgie fast niemals auffällig. Das führt nicht selten dazu, dass die Erkrankung unerkannt bleibt.

Ein Hinweis auf das Krankheitsbild Fibromyalgie gibt erfahrenen Therapeuten immer das gleichzeitige Auftreten von anderen, nicht ausschließlich körperlichen Symptomen.

Seelische und neurologische Symptome

Denn die Fibromyalgie macht nicht nur durch körperliche Symptome auf sich aufmerksam, sondern häufig genug treten auch noch nervliche und seelische Beschwerden in Erscheinung. Diese machen nicht nur das Leben der Erkrankten schwerer, sondern auch die Behandlung der Erkrankung.

Sie können äußerst vielfältig sein und so individuell wie das Leben der Betroffenen. Vor allem Schlafprobleme, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Unkonzentriertheit und Vergesslichkeit kommen häufig vor. Aber auch Depressionen und Angstzustände sind nicht selten.

Selbst das Gefühl unter einem überspannten Nervensystem zu leiden oder auch einfach überfordert zu sein, sind Begleit-Beschwerden, wie man sie bei der Fibromyalgie häufig antrifft. Dazu kommen häufig Probleme mit der Aggressionsbewältigung und Aggressionen, die gegen sich selbst gerichtet sind und Schwierigkeiten Konflikte zu lösen.

Aber auch psychosomatische Beschwerden, wie Kopfdruck und eine allgemeine verstärkte Ermüdbarkeit bei körperlicher und seelische Belastung sind nicht ungewöhnlich. Dazu kommt häufig eine große Empfindlichkeit gegen Reize von außen, seien es Gerüche, Licht, Geräusche oder Kälte. Auch allergische und pseudoallergische Reaktionen sind bei einer Fibromyalgie erstaunlicherweise häufig anzutreffen. Dazu kommen oft ein vermehrter Harndrang, vermehrte Nervenreizbarkeit, Regelschmerzen und unerklärliche Bindegewebsschwellungen. Kopfschmerzen, Herzrasen, Schweißausbrüche und Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt, wie ein Reizdarmsyndrom sind außerdem häufig festzustellen, wenn Menschen unter Fibromyalgie leiden.

Nicht wenige Patienten berichten auch von Missempfindungen in Händen und Füßen oder auch anderen Körperregionen. Dazu gehören Jucken, Brennen, leichte Schmerzen und ähnliches.
Dazu kommt, dass einige äußere Einflüsse die Symptome verschlimmern können. So klagen viele Patienten unter Wetterfühligkeit und empfinden Ihre Beschwerden vermehrt bei kalten und nassen Temperaturen. Auch Stress, Beziehungsprobleme, Überforderung und andere seelische und körperliche Belastungen können die Beschwerden zum Teil erheblich verschlechtern. Im Gegenzug beschreiben viele Patienten, dass Wärme, Urlaub und Erholung bei ihnen zu einer deutlichen Verbesserung und oft genug auch zum vorübergehenden Verschwinden der Beschwerden führen.

Eine erfolgreiche Diagnose aber auch eine gute und wirkungsvolle Therapie sollte also auch immer den Besuch bei einem ganzheitlich orientierten Mediziner und am besten auch bei einem Psychologen einschließen. Denn die Möglichkeiten eines Allgemeinmediziners sind bei dieser Erkrankung sehr eingeschränkt. Viele Medikamente, die im ersten Moment eine deutliche Verbesserung erzeugen, sind nicht für die Dauertherapie geeignet. Teilweise, weil deren Wirkung mit der Zeit deutlich nachlässt und teilweise, da sie wegen eines hohen Abhängigkeitsrisikos nicht dazu geeignet sind, über einen längeren Zeitraum verschrieben zu werden.

Unklarheit über Ursachen

Bisher sind sich Ärzte und Forscher noch völlig unklar darüber, was die Ursachen und die eigentlichen Auslöser der Fibromyalgie sind. Doch es gibt einige Auffälligkeiten, die auf viele Patienten zutreffen und deshalb vermuten lassen, dass sie zumindest mit der Entstehung der Erkrankung in Zusammenhang stehen.

Am wahrscheinlichsten ist die Annahme, dass eine Kombination aus mehreren Faktoren zum Ausbruch der Fibromyalgie führt. Dazu gehören persönliche körperliche Schwachpunkte der Patienten, also Bereiche im Körper, die ohnehin anfällig für Krankheiten sind. Dazu scheint es sehr deutlich, dass auch psychosoziale und seelische Beeinträchtigungen in Kindheit und Jugend einen großen Einfluss auf die Erkrankung haben. So berichten viele Betroffene von gemütsmäßiger Vernachlässigung, brutalen Erziehungsmethoden in ihrer Familie und oft genug sogar über Misshandlung und Missbrauch in Kindheit oder Jugend.

In deren Folge leiden die Patienten in ihrem späteren Leben an einer schwer durchschaubaren und sehr komplexen Erkrankung. Die Vielfalt der Leiden macht es sowohl Ärzten, als auch Psychologen schwer, die Krankheit mit Sicherheit zu diagnostizieren und einen geeigneten Therapieplan auszuarbeiten. Dies wird zusätzlich erschwert, da sich die Symptome häufig verschieben und vor allem auch die Beschwerden nur eine Zeit lang auf die gefundenen Medikamente ansprechen, sich danach aber eine Resistenz ausbildet.

Darunter leidet sehr häufig dann auch das Patienten-Ärzte Verhältnis ungerechterweise und oft genug pilgern Betroffene von einem Arzt zum anderen auf der Suche nach Hilfe. Hohe Kosten und große Frustrationen sind häufig die Folge. Denn die Erwartungshaltung bei Behandler und Patient sind meist sehr hoch. Diese äußerst komplexe Erkrankung erfordert aber von beiden Seiten ein großes Maß an Geduld und Mitarbeit.

Schulmedizinische Therapieansätze

Das bezieht sich für den Patienten auch darauf, dass er zu der medikamentösen schulmedizinischen Therapie auch andere Therapieoptionen gewissenhaft wahrnimmt. Als Medikamente kommen, je nach Beschwerden Präparate in Frage, die in erster Linie die Schmerzen unterdrücken sollen. Dabei kommen Muskel entspannende Produkte genauso in Frage wie nicht-steroidale Antirheumatika, Kortison und opiathaltige Schmerzmittel.

Stehen Ängste und eine vermehrte Anspannung, Reizbarkeit und Schmerzempfindlichkeit im Vordergrund, so versprechen selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, Stimmungsaufheller, trizyklische Antidepressiva, Benzodiazepine und so genannte Tranquilizer eine gewisse Linderung. Aber gerade diese Medikamente haben ein sehr hohes Risiko, dass der Patient eine Abhängigkeit entwickelt. Dazu kommt, dass ihre Wirkung mit der Zeit meist deutlich nachlässt und die Dosis gesteigert werden müsste. Ein Kreislauf, der möglichst vollkommen vermieden werden sollte.

Ergänzende schulmedizinische Therapieansätze

Gleich mehrfach haben sich vor allem bei Patienten, die erst neu an Fibromyalgie erkrankt sind, bewegungsintensive Behandlungsformen bewährt. Ausdauertraining, Gymnastik und Herz-Kreislauf-Training wirken bekanntlich stimmungsaufhellend und schmerzlindernd durch eine vermehrte Ausschüttung körpereigener Serotonine. Die vermehrte Bewegung verbessert zusätzlich die allgemeine Pflege des Bewegungsapparates, also der Knochen, Muskeln und Sehnen. Sie werden belastbarer, besser mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt und bleiben geschmeidiger und kräftiger. Die vermehrte Durchblutung der Muskeln sorgt auch dafür, dass vermehrt Schlackestoffe aus ihnen abtransportiert werden und die Muskelfasern besser arbeiten können.

Auch Wechselduschen, Bürstenmassagen von Haut und Bindegewebe und Massagen im Allgemeinen können eine große Anzahl an Beschwerden verbessern. Sie wirken stimmungsaufhellend, anregend und reinigend auf den Kreislauf und Stoffwechsel und wirken so unter anderem gezielt Müdigkeit und depressiven Verstimmungen entgegen.

Liegen nachvollziehbare seelische Auslöser für die Fibromyalgie vor, oder bemerkt der Patient, dass seelische Faktoren seinen Gesundheitszustand deutlich verschlechtern können, ist auf alle Fälle auch eine zusätzliche psychotherapeutische Behandlung in den Therapieplan mit einzubeziehen. Denn durch die behutsame Auflösung von seelischen Konflikten kann die Fibromyalgie meist deutlich verbessert und in vielen Fällen sogar komplett überwunden werden.

Als psychotherapeutische Verfahren kommen Entspannungsverfahren, Verhaltenstherapie, die so genannte Psychoedukation und gruppentherapeutische Sitzungen in Frage. Auch eine heilhypnotische Therapie kann sehr vielversprechend sein. Welche Therapieoption für den Patienten geeignet ist, sollte dieser aber in seinem speziellen Fall mit seinem behandelnden Therapeuten absprechen. Denn die richtige Auswahl hängt nicht nur von seinem individuellen Beschwerdebild ab, sondern auch von seinen persönlichen Vorlieben.

Naturheilkundliche Therapieansätze

Fibromyalgiepatienten, die die meist erheblichen Nebenwirkungen einer medikamentösen Behandlung mit schulmedizinischen Pharmaka scheuen, haben auch die Möglichkeit, sich naturheilkundlich behandeln zu lassen. Dabei gibt es, genau wie bei der schulmedizinischen Therapie verschiedene Therapieansätze. Zu unterscheiden gilt es sicherlich bei Therapiemaßnahmen, die momentan rasche Hilfe versprechen und welche, die die Allgemeinsituation des Patienten dauerhaft verbessern. Dazu gehören nicht nur Maßnahmen, die der Muskelpflege und der Körperwahrnehmung dienen, sondern auch solche, die die alltägliche Belastung des Körpers verringern und dessen Selbstheilungskräfte mobilisieren. So ist es möglich, die Gesamtsituation dieser chronisch erkrankten Menschen und damit die Lebensqualität erheblich zu verbessern.

Eine Eigenblutbehandlung hilft dem Immunsystem dabei, Schmerzherde abzuarbeiten und die Immunantwort zu modulieren. Dadurch werden Schmerzanfälle seltener und weniger heftig. Dazu entnimmt der Heilpraktiker dem Patienten Venenblut, um es anschließend unverändert oder mit einem Medikament versetzt in die schmerzenden Stellen oder in die Muskulatur zu injizieren.
Auch die Homöopathie verspricht vielen Patienten eine Verbesserung ihrer Lage. Sei es, dass der Therapeut mit Hilfe ausführlicher Gespräche die für den Patienten geeigneten Konstitutionsmittel ermittelt oder auch Komplexmittel einsetzt.

Ein solches Komplexmittel entspricht nicht der klassischen Homöopathie, sondern ist ein Medikament, das entwickelt wird, um besondere Beschwerdebilder zu behandeln. Es wird aus den homöopathischen Mitteln zusammen gemischt, die im Allgemeinen für die klassischen Symptome eines Erkrankungsbildes eingesetzt werden. Es steht also in erster Linie die Erkrankung und nicht der individuelle Mensch im Vordergrund.

Eine deutliche Verbesserung der Schmerzen können sich Patienten auch durch eine Neuraltherapie erhoffen. Denn durch diese Therapie wird nicht nur das vegetative Nervensystem umgestimmt, sondern auch der Schmerz in Sekundenschnelle – wenn auch nur kurzfristig – abgestellt und die Durchblutung der schmerzhaften Areale deutlich verbessert. So können Patienten schnell und wirkungsvoll eine deutliche Verbesserung spüren und auch langfristig eine Umstimmung des Körpers anregen.

Enzyme, wie Bromelain, Papain und auch tierische Enzyme sind sehr gute Helfer, wenn es darum geht, entzündliche Prozesse im Körper auszuheilen. Denn diese Stoffe wirken nicht nur abschwellend und entzündungshemmend, sondern lindern auch effektiv und langfristig den durch Entzündungen entstehenden Schmerz.

Vor allem wenn der Patient nicht nur unter Schmerzen, sondern auch unter Schlafbeschwerden, nervösen Missempfindungen, depressiven Verstimmungen und anderen Beschwerden leidet, ist die Pflanzenheilkunde eine sehr wirkungsvolle Therapieoption. Auch wenn sich der fühlbare Erfolg manchmal erst nach einer anfänglichen, mehrwöchigen Übergangszeit zeigt, kann zum Beispiel der Einsatz von Johanniskraut dauerhaft sehr erleichternd für den Patienten sein.

Auch physikalische Therapien, allen voran wärmende Anwendungen, wie Auflagen, Packungen und wärmende Salben und Pflaster, helfen Fibromyalgie Patienten häufig sehr gut. Auch Moorbäder und das traditionelle Stangerbad helfen bei schmerzenden Muskeln.

Dazu sollten Patienten immer darauf achten, dass sie sich ausreichend bewegen, um zusätzliche Schmerzen durch Fehl- und Minderbelastung zu vermeiden. Alles was Spaß macht und nicht belastet ist die Devise bei der Fibromyalgie. Spaß machen sollte die Bewegung, damit der Betroffene sicher auch dauerhaft am Ball bleibt und sich tatsächlich mindestens drei bis viermal wöchentlich bewegt. Und Überlastung sollten Fibromyalgiepatienten möglichst vermeiden, um ihr Beschwerdebild nicht unnötig zu verschlechtern. Tanzen, Gymnastik, ausgedehnte Spaziergänge, Radfahren, Langlauf und auch Yoga und Tai Chi sind empfehlenswerte Disziplinen.

Gerade der entspannende Aspekt, der von Yoga und Tai Chi ausgeht, hat noch einen zusätzlichen, nervenstärkenden Nutzen. Entspannung können Fibromyalgiepatienten aber auch durch die Tiefenentspannung nach Jacobsen, Meditation, Autogenes Training, Feldenkraisübungen oder auch eine heilhypnotische Therapie erfahren. So verbessert sich nicht nur die Schlafsituation meist schnell erheblich. Auch die Empfindsamkeit für die dauerhaften Schmerzreize lässt nach und die allgemeine Belastbarkeit der Patienten wird deutlich verbessert.

Da jedoch alle Therapieoptionen allein für sich genommen meist keine dauerhafte Lösung bei Fibromyalgie darstellen, ist es wichtig, dass Betroffene eine möglichst umfassende Therapie erfahren und dabei auch die von ihnen selbst durchführbaren Maßnahmen regelmäßig anwenden. Denn so vielfältig die Erkrankung ist, so vielfältig muss auch eine erfolgreiche Therapie sein.