Auf die Gesundheit

Empfängnisverhütung – Ein Thema, das beide angeht

Mit der Emanzipation der Frau und der teilweise gleichzeitig ablaufenden sexuellen Revolution wurden die Themen Empfängnisverhütung und geplante Schwangerschaft so populär wie nie zuvor. Denn auch wenn vermutlich noch keine Generation vor uns derart viele Möglichkeiten zur Auswahl hatte wie wir heutigen Menschen, selbst zu bestimmen, wann es zu einer Schwangerschaft kommt, so ist das Thema Empfängnisverhütung sicher so alt wie die Menschheit selbst.

Ein natürliches Bestreben eines jeden Volkes ist es seit jeher, sich so schnell zu vermehren wie möglich. So kann die eigene Gruppe gestärkt und ein sicheres und bequemes Leben für alle Mitglieder der Familie und des Stammes ermöglicht werden. Arbeitsteilung heißt das Schlagwort. So konnten sich im Laufe der Menschheitsgeschichte Berufe entwickeln und ganze Zivilisationen entstehen. Menschen mit besonderen Fähigkeiten und Fertigkeiten konnten entsprechende Arbeiten für mehrere übernehmen, wodurch andere Menschen frei wurden, um sich um andere Belange zu kümmern.

Doch nicht jederzeit war es sinnvoll, dass eine Frau ein Kind austrug. So wussten die Menschen in den kälteren Breiten schon früh, dass Kinder, die im späten Herbst oder Winter geboren wurden, nur eine geringe Überlebenschance hatten. Die Gefahr für die Gesundheit und das Leben der Mutter waren jedoch die gleichen, als wenn Sie das Kind in einer anderen, erfolgversprechenderen Jahreszeit gebar. Auch mochte es sinnvoll gewesen sein, dass vor einer großen und strapaziösen Wanderung die Frauen eines Stammes nicht in Gefahr gebracht wurden, indem Sie Kinder austrugen, deren Überlebenschancen auf fremdem Gebiet ungewiss waren.

Die Natur selbst hat gewisse Regelmechanismen entwickelt, um hier Einfluss nehmen zu können. So ist zum Beispiel bekannt, dass gebärfähige Frauen, die unter dauerhafter körperlicher Überlastung leiden, häufig keinen vollständigen Monatszyklus durchleben und keine reifen Eizellen produzieren, bis sich ihre Lebenslage wieder normalisiert. Zum Glück müssen sich heute die allermeisten Frauen nicht mehr um ihr Wohlergehen sorgen, wenn sie schwanger werden. Doch unser verändertes Lebensgefühl und unser Selbstverständnis lassen es uns als selbstverständlich erscheinen, dass wir ein erfülltes Sexualleben haben, dabei aber selbst bestimmen, wann der richtige Zeitpunkt ist, um Kinder in die Welt zu setzen.

Dass beim Thema Verhütung nicht nur Frauen gefragt sind, sieht man am gesteigerten Interesse, das vor allem junge Männer diesem Thema entgegen bringen. Auch sie möchten selbst darüber entscheiden, ob und wann Sie eine Familie gründen möchten. Zwar leben die meisten Kinder auch nach einer Trennung der Eltern mit ihren Müttern zusammen, aber vor allem die wirtschaftliche Last liegt meist weiterhin auf den Schultern der Väter. Dazu kommt die seelische Belastung, die durch die Trennung von der Familie auf den Vätern lastet.

Sicherlich hat auch das verstärkte Auftreten von sexuell übertragbaren Erkrankungen wie AIDS, Syphillis und andere einen Einfluss darauf, dass sich junge Menschen heute mehr Gedanken um das Thema Verhütung machen, als viele ihrer Eltern und Großeltern. Doch haben auch soziale Veränderungen, wie höhere Scheidungsraten, das Thema Patchworkfamilien und eine stärker feststellbare Egomanie dazu beigetragen, dass das Thema Familienplanung heute aktueller ist, denn je.

Die Möglichkeiten für Männer

Ein Ansatz, mit dem die Verhütung gewährleistet werden könnte, wäre es, die Spermienproduktion im männlichen Körper mit Hilfe hormoneller oder chemischer Stoffe zu stören. Dadurch wäre es möglich, dass der Mann zwar sehr wohl Ejakulat produziert, dieser aber keine befruchtungsfähigen Spermien enthalten würde.

Schon Naturvölker haben mit verschiedenen Pflanzen experimentiert, um diese Wirkung beim Menschen zu erzielen, doch gibt es im Moment keine Substanz, mit der wissenschaftlich nachweisbar dieses Ziel erreicht würde. Auch wenn die Kerne der Papayafrucht lange Zeit als Geheimtipp gehandelt wurden – wissenschaftliche Studien gibt es auch zu diesen nicht.
Die Pharmaindustrie beschäftigt sich indes seit einigen Jahren mit Studien zur hormonellen Empfängnisverhütung beim Mann. Doch können Männer in absehbarer Zeit nicht mit einer „Pille für den Mann“ oder einer Spritze gegen Zeugungsfähigkeit rechnen, da praktisch alle Studien hierzu wegen zu starker Nebenwirkungen abgebrochen wurden.

Es gibt aber andere, wenn auch wenige Möglichkeiten für Männer, selbst zu bestimmen, ob und wann sie Vater werden wollen. Ein gesunder Mann ist praktisch sein Leben lang zeugungsfähig. Daher kommt es, dass bei wirkungsvollen Verhütungsmethoden für den Mann im Grunde in erster Linie versucht wird zu verhindern, dass lebende Spermien in die Gebärmutter eindringen.

Ein wahrer Dauerbrenner, der eine Barriere bilden soll, ist das Kondom. Von diesen „Verhüterlis“, wie sie im Volksmund gerne genannt werden, gab und gibt es immerhin schon seit einigen Jahrhunderten mehr oder weniger wirkungsvolle Varianten. Heute sind sie ziemlich sicher und nicht nur in der Lage, ihre Benutzer vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen, sondern auch einer ungewollten Schwangerschaft vorzubeugen.

Die Geschichte des Kondoms

Das war nicht immer so. Denn frühe Versuche, Kondome zu fabrizieren brachten die kuriosesten Modelle hervor. Dabei experimentierte man mit den verschiedensten Materialen und stellte sie sogar aus feinem Leinen her, was jedoch aus heutiger Sicht nur schief gehen konnte. Der Einsatz von Tierdärmen war da deutlich effektiver und wurde daher von vielen Ärzten durch die Jahrhunderte hindurch empfohlen. Aber erst die Erfindung der Vulkanisierung von Gummi durch Charles Goodyear im Jahre 1839 brachte einen wirklichen Durchbruch auf diesem Gebiet. Denn durch dieses Verfahren erhielt der Naturkautschuk erst die Eigenschaften, die ihn für den Einsatz als Kondom brauchbar machten. Der vulkanisierte Gummi ist, im Gegensatz zu Naturkautschuk, wasserdicht, dehnbar, reißfest und hitzestabil.

Auch wenn die armen Verwender noch mit einer Wanddichte von bis zu 2mm bei ihren Kondomen klar kommen mussten, so waren die Präservative wenigstens tatsächlich dicht genug, um verhältnismäßig sicher zu schützen. Lästig und sicherlich auch unangenehm war jedoch sicherlich noch die Tatsache, dass diese Gummis genäht werden mussten. Doch im Jahr 1912 kam Julius Fromm die Idee, nahtfreie Kondome herzustellen, indem er entsprechend geformte Glaskolben in eine Gummilösung tauchte.

Mit der Verwendung von Latex als Material für die Kondome, begann ab 1930 ein wahrer Siegeszug der hilfreichen Hauben, der nur noch stark vom Widerstand der Gesetzgeber ausgebremst wurde. In manchen europäischen Ländern mussten Benutzer noch bis in die neunziger Jahres des letzten Jahrhunderts gegen bestehende Gesetze verstoßen, wenn Sie Kondome beim Verkehr verwenden wollten.
Sehr zur Sicherheit der Kondome hat die Idee beigetragen, am oberen Ende eine kleine Kammer, das Reservoir, vorzusehen, die das Ejakulat aufnimmt. Spermizide helfen zusätzlich dabei, den Gebrauch von Kondomen als Verhütungsmethode sicherer zu machen.

Um auch einen der häufigsten Versagensquellen zu vermeiden, die es beim Gebrauch von Kondomen gibt, sollte man den Gebrauch des Kondoms im Vorfeld schon einmal üben und sich darüber informieren, für welche Sexualpraktiken welche Kondomart geeignet ist. Denn Latexkondome, aber auch Modelle aus Polyisopren dürfen zum Beispiel nicht mit Fetten und Ölen in Kontakt kommen. Dadurch verlieren sie ihre Dichtigkeit und werden porös. Um die Gleitfähigkeit zu verbessern sind einige Modelle schon mit speziellen Gleitmitteln versetzt. Es gibt aber auch öl- und fettfreie Gleitmittel im Handel, die diesen Kondomen nichts anhaben können.

Große Auswahl für mehr Spaß

Heute gibt es sehr viele verschiedene Modelle an Kondomen auf dem Markt, die auch die Wünsche der Verwender berücksichtigen. So gibt es zum Beispiel festere Überzieher mit einer dickeren Wand, die auch härteren Sexualpraktiken und Analverkehr sicher standhalten.

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Benutzung des Kondoms ist die Wahl der richtigen Größe. Denn vor allem zu kleine Kondome erhöhen in der Praxis die Wahrscheinlichkeit, dass diese beim Akt zerreißen und somit ihre Wirksamkeit verlieren.

Es ist sinnvoll durch Probieren verschiedener Größen einen optimalen Kompromiss aus Komfort und Sicherheit zu ermitteln. Denn nur, wenn das Kondom genügend gespannt ist, kann es gut und sicher halten. Wird es aber zu eng gewählt, erhöht sich die Gefahr, dass es durch die erhöhte Beanspruchung Schaden erleidet. Bei der Auswahl sollten Sie darauf achten, dass das Kondom eine ein wenig geringere Breite hat, als der halbe Umfang Ihres Penis beträgt. Dazu messen Sie Ihren Penis in erigiertem Zustand an der breitesten Stelle.

Die Kondomgrößen, die in Deutschland auf dem Markt sind, sind genormt. Bei den Größenunterschieden betrachtet man jedoch nicht die Länge der Kondome, sondern deren Breite. Im Allgemeinen sind Kondome für einen sicheren Gebrauch lang genug. Die Standardbreite bei Kondomen beträgt 52mm und ist geeignet für Männer, deren Penisumfang etwa 10,5cm entspricht. Variiert dieser, wählen Sie ein entsprechend größeres oder kleineres Modell um einen sicheren Gebrauch zu gewährleisten.

Sollte doch einmal etwas daneben gehen, erhöhen Kondome mit Spermiziden die Sicherheit erheblich. Solche Stoffe töten Spermazellen ab, so dass es auch beim Versagen des Kondoms zu keiner Schwangerschaft kommen sollte.

Hersteller von Kondomen haben den Zahn der Zeit erkannt und bieten seit einigen Jahren Modelle an, die das Liebesleben des Paars bereichern können. Von Modellen, die die vaginale Stimulation für die Frau erhöhen, bis hin zu mit Geschmack versehenen „Lümmeltüten“, die Lust auf Oralverkehr machen, gibt es auf dem Markt sehr viel zu entdecken. Vor allem Männer, die in keiner festen Partnerschaft leben oder eine neue Partnerin kennen gelernt haben, sind gut beraten mit dem Benutzen eines Kondoms selbst für eine wirkungsvolle Empfängnisverhütung zu sorgen. Festigt sich die Beziehung und stellt sich ein gutes Vertrauensverhältnis ein, können gemeinsame Gespräche helfen, eine Alternative zu finden.

h2>Die Sterilisation als dauerhafte Methode

Für Männer die keinen Kinderwunsch haben oder deren Familienplanung abgeschlossen ist, kann auch eine Sterilisation in Frage kommen. Bei der Sterilisation werden in einer mikrochirurgischen Operation die Samenleiter durchtrennt. Dadurch können keine Samenzellen mit dem Ejakulat aus dem Körper des Mannes austreten. Alle anderen Funktionen der männlichen Geschlechtsorgane werden jedoch in keinster Weise beeinträchtigt. Außerdem kommt es in nur sehr seltenen Fällen zu Nebenwirkungen.

Alle hormonellen Vorgänge bleiben genauso unbeeinflusst, wie die Produktion der Samenflüssigkeit, die für die Menge des Ejakulats verantwortlich ist. Die Samenmenge beträgt nur selten mehr als 5% des Ejakulats, so dass das Fehlen der Spermien meist kaum wahrnehmbar ist. Auch die Lustempfindung wird durch den Eingriff nicht verändert. Das bedeutet also, dass der Mann weiterhin voll sexuell leistungsfähig ist und auch sonst keine Beeinträchtigungen vorliegen.

Es kommt jedoch trotzdem bei manchen behandelten Männern vor, dass sie psychische Probleme entwickeln. Ängste können zum Beispiel bewirken, dass sich sexuelle Störungen entwickeln. Deshalb ist es in erster Linie wichtig, dass die Entscheidung ohne Druck gefällt wird und der Mann sich mit ihr völlig identifizieren kann. Auch eine therapeutische Begleitung des Eingriffs, die auch psychologische Aspekte beinhaltet, hilft dabei, solchen Komplikationen vorzubeugen.

Je nach Operationsmethode, sind die Folgen des Eingriffs sehr schnell abgeklungen und nach ein paar wenigen Tagen, spürt der Mann nichts mehr davon. Nach kurzer Zeit der Schonung stehen körperlichen Aktivitäten wie Sport und Sex nichts mehr im Wege.

Der Nachteil bei diesem Eingriff liegt darin, dass er in der Regel nicht Rückgängig gemacht werden kann. Eine „Refertilisation“, also das wieder fruchtbarmachen des Mannes ist deutlich aufwendiger als die Sterilisation und außerdem oft nicht erfolgreich. Aus diesem Grund sollte sich der Mann seiner Sache völlig sicher sein.
Es besteht zwar auch die Möglichkeit, Sperma einfrieren zu lassen, um einer Restunsicherheit begegnen zu können. So sind eigene Kinder nicht mehr ausgeschlossen, wenn eine neue Beziehung oder eine veränderte Lebenssituation dies wünschenswert erscheinen lassen. Aber das Einfrieren erfolgt auf eigene Kasse.
Auch wenn die Vasektomie, wie die Behandlung in Fachkreisen genannt wird, die sicherste Verhütungsmethode beim Mann ist, kann es in wenigen Fällen dazu kommen, dass die durchtrennten Samenleiter wieder zusammen wachsen.

Um dies zu verhindern, kann der Operateur die Leiter einkürzen, mit Titanclips verschließen oder auch thermisch oder chemisch veröden. Auch das Verlagern der Leiterenden in verschiedene Gewebsschichten im Hodensack ist eine Möglichkeit, ein Zusammenwachsen zu verhindern. Dazu kommt, dass es eine gewisse Zeit dauert, bis keine lebensfähigen Samen mehr im Ejakulat enthalten sind. Deshalb werden in der Regel innerhalb der ersten 16 Wochen nach der Operation zwei Samenproben eingefordert. So kann festgestellt werden, ob diese noch lebende Samen enthalten. Bis zu diesem Zeitpunkt sollten bei einem normal aktiven Sexualleben die letzten Spermien aus dem Körper ausgeschieden worden sein. Dieser Zeitraum ist auch der, in dem es am ehesten passiert, dass Samenleiter von selbst wieder zusammenwachsen.Erst nachdem auch die zweite Samenprobe als absolut spermienfrei eingestuft wurde, können andere Verhütungsmethoden abgesetzt werden.

Coitus Interruptus

Die weltweit verbreitetste Methode der Empfängnisverhütung dürfte der Coitus interruptus sein, also das Herausziehen des Penis aus der Scheide kurz vor dem Orgasmus des Mannes. Vor allem erfahrenen Männern, die die Signale ihres Körpers gut einschätzen können, gelingt es zuverlässig, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, den Geschlechtsverkehr zu unterbrechen. Doch gerade im Liebesrausch ist es vielen Männern nur schwer möglich zu beurteilen, wann der Moment gekommen ist, den Liebesakt zu unterbrechen. Eine gute Kommunikation zwischen den beiden Partnern kann die Situation jedoch verbessern, so dass die Methode etwas sicherer werden kann.

So ist es zum Beispiel möglich, schon verhältnismäßig früh vor dem Erguss den Penis aus der Vagina zu ziehen, um dann anschließend den Orgasmus durch eine manuelle Stimulation auszulösen. Auch kann eine geeignete Stellung helfen, den Coitus interruptus sicherer zu machen, da der Mann bei Bedarf schnell den Penis aus der Scheide entfernen kann. Doch ist das Verpassen des richtigen Momentes nicht das einzige Risiko, das diese Methode mit sich bringt. Die Möglichkeit einer Befruchtung ist zum Beispiel auch dann gegeben, wenn der Mann noch nicht zum Orgasmus gekommen ist. Vor allem bei Männern, die häufig Verkehr haben, befinden sich im Penis oft noch lebensfähige Spermien, die schon vor der Ejakulation austreten können.

Der Coitus interruptus verbietet auch, dass das Paar ein zweites Mal Verkehr miteinander hat, nachdem der Mann einmal ejakuliert hat. Denn selbst bei größter Sauberkeit und Vorsicht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass beim zweiten Eindringen Spermien in Scheide und Gebärmutter gelangen können besonders groß.

Verschiedene Studien zum interruptus haben einen Pearl Index von vier bis zu 28 ergeben. Diese enorme Schwankung entstand, da die Studien verschiedene Ausgangssituation berücksichtigt haben. Das heißt, dass von einhundert Frauen zwischen 4 und 28 trotz Coitus interruptus schwanger geworden sind. Dies ist auch der Grund dafür, warum diese Methode der Empfängnisverhütung als nicht sicher eingestuft wird.

Da sie jedoch kostenlos, umweltverträglich ist und auch keine hormonelle Manipulation erfordert, wird sie trotzdem von vielen Paaren praktiziert. Und sicherlich ist sie auf alle Fälle besser, als gar keine Verhütung, doch sollten Sie sich nicht auf diese Methode verlassen.