Auf die Gesundheit

Wenn Parfum krank macht – die Duftstoffallergie

Mit der Wirkung betörender Düfte wird seit Jahrtausenden kokettiert. In früheren Zeiten verwendete man zur Herstellung der Düfte natürliche Wirkstoffe. Doch mit der Entwicklung des modernen Parfums fanden zahlreiche Duftstoffe aus dem Chemielabor Zugang zu unserem Körper. Was für die einen eine betörende, ansprechende Kombination, macht viele andere krank.

Duftstoffallergie

Duftstoffe, die wir in Parfums, Kosmetika, aber auch in Reinigungsmitteln, Weichspülern, Raumdüften und vielem mehr finden, können aus natürlichen Quellen wie Pflanzen stammen oder tierischen Ursprungs sein. In den meisten Fällen werden sie jedoch in Chemielabors entwickelt. Ein bis zwei Prozent der deutschen Bevölkerung regieren auf einen oder mehrere dieser Duftstoffe allergisch, Tendenz steigend. In vielen Fällen handelt es sich dabei um eine Kontaktallergie Typ IV, das heißt, der Körper zeigt an der Stelle, die mit dem Duftstoff in Berührung kommt, Veränderungen der Haut, Reizungen, Ausschlag und starkes Jucken.

Dies ist eine typische allergische Reaktion. Unser Körper fehlinterpretiert den eigentlich harmlosen Stoff als gefährlich und aktiviert das Immunsystem mit den Abwehrmechanismen. Die Folge sind neben dem Juckreiz Symptome, wie wir sie von Erkrankungen kennen: Husten, Schnupfen, Atemnot.

Typischerweise tritt die allergische Reaktion zeitverzögert ein, oft Stunden, sogar Tage nachdem der Körper mit den Allergenen, also den Stoffen, gegen die er sich als allergisch erweist, in Berührung gekommen ist. Dies macht es  besonders schwierig festzustellen, dass die Allergie von dem Parfum herrührt. Oftmals entsteht der Verdacht erst sehr viel später. Verwendet der Allergiker das auslösende Parfum aus diesem Grund länger, kann aus den einmaligen allergischen Reaktionen eine chronische Erkrankung der Haut werden.

Gefährlich wird die Duftstoffallergie, wenn sie asthmatische Reaktionen hervorruft. In diesen Fällen muss der Betroffene auf jegliche synthetische Duftstoffe verzichten. Sind dies nur Stoffe, die in Parfums enthalten sind, ist dies relativ leicht einzuhalten. Ist die Reaktion besonders stark, sollten Freunde und Familienangehörige unter Umständen gebeten werden, ebenfalls in Gegenwart des Allergikers auf Parfum zu verzichten.

Reaktion der Parfum-Branche

Auf EU-Ebene wird alles unternommen, um die Allergiegefahr zu mildern. Mittlerweile stehen zahlreiche Duftstoffe, die in früheren Parfum-Variationen gang und gäbe waren, auf dem Index und dürfen nicht mehr verwendet werden. Viele bekannte Hersteller mussten die Rezepturen ihrer Parfums entsprechend ändern. Zudem besteht seit 2003 die Verpflichtung, die Angaben über einige im Parfum enthaltenen Duftstoffe auf der Verpackung kenntlich zu machen. So müssen derzeit die als besonders Allergie verursachenden bekannten Stoffe deklariert werden, wenn sie zu einem bestimmten Prozentsatz im Produkt enthalten sind. Die EU plant, diese Liste der zu deklarierenden Stoffe zu erweitern. Ferner fordert die EU-Kommission eine stärkere Aufklärung der Verbraucher, da vielen bis heute nicht bewusst ist, welchen gesundheitlichen Risiken sich mit der Verwendung der Parfums aussetzen.

Aber auch auf Seiten der Parfum-Hersteller werden entsprechende Maßnahmen in die Wege geleitet. Denn für die Branche steht einiges auf dem Spiel. Würden die Düfte eines Herstellers in den Ruf geraten, Allergien und Hautunverträglichkeiten auszulösen, würde dies schließlich einen erheblichen Umsatzeinbruch bedeuten. So setzen die Produzenten auf eine gezielte Selbstkontrolle. Von Parfumherstellerverbunden finanzierte Institute betreiben wissenschaftliche Forschung, um mögliche gesundheitliche Probleme, die durch einzelne Duftstoffe hervorgerufen werden können, zu erkennen und zu beheben.

Welche Parfums dürfen Allergiker verwenden?

Auch Allergiker wollen meist auf die Wirkung eines angenehmen Duftes nicht verzichten. Doch gibt es grundsätzlich keine Parfums, die man als absolut und unbedingt für Allergiker geeignet ansehen kann. Ist die Allergie nicht sonderlich ausgeprägt und beschränkt sie sich allein auf die Hvautstellen, die mit dem Parfum in Berührung kommen, kann das Problem allein schon dadurch behoben werden, dass man den Duft nicht direkt auf die Haut sprüht, sondern wahlweise auf das Kleidungsstück oder auch ins Haar.

Auch lohnt es sich, verschiedene Parfums auszuprobieren. Denn jedes Parfum besteht aus unterschiedlichen Duftstoffkombinationen, die Allergie kann sich in den meisten Fällen nur auf bestimmte Produkte beschränken, während andere Parfums, die den Allergie auslösenden Stoff nicht beinhalten, problemlos vertragen werden. Die Geschäfte, die Parfum vertreiben, bieten hierzu kleine Flakons in Probiergrößen an. Eventuell muss sich der Betroffene durch ein paar Produkte hindurch testen, ehe er fündig wird.

Sollte sich die Allergie jedoch auf den größten Teil der Stoffe beziehen, die in allen synthetisch hergestellten Parfums Verwendung finden, gibt es die Möglichkeit, sich auf Produkte zu beschränken, die rein pflanzlicher Basis sind. Es gibt einige Marken, die sich auf die Herstellung von Naturkosmetik spezialisiert haben. Reformhäuser bieten außerdem auch wohlriechende Öle, die ebenso rein pflanzlich sind und einen angenehmen Duft verströmen, indem man etwas von dem Öl auf einzelne Hautpartien gibt und einmassiert.

Wer also von einer Duftstoffallergie betroffen ist, muss nicht zwangsläufig auf einen betörenden Duft verzichten.