Auf die Gesundheit

Burn-out bei Frauen – wenn Haus und Kinder krank machen

Burn-out: Das bekommen doch nur Manager oder Angestellte in Büros. Als Hausfrau und Mutter mache ich doch nichts. Ich verlasse nicht mal das Haus. So denken viele Frauen, die sich bereits inmitten ihres oft unbemerkten Burn-outs befinden. Dabei leiden mehr Mütter und Hausfrauen unter der “Manager”-Krankheit, als Manager und Co.

Dass der Burn-out bei Frauen oft unbemerkt bleibt, liegt am veränderten Ablauf der  Phasen. Oft bleibt die Betroffene über längere Zeiträume hinweg in derselben Phase oder überspringt Phasen.

Warum es Frauen häufig trifft?

Viele Frauen werden klein auf dazu erzogen, für Mann, Kind, die Familie da zu sein. Sie lernen, zu funktionieren, damit die Familie funktioniert. Besonders häufig trifft es Frauen, die bereits von klein auf perfektionistisch waren und ihr Selbstwertgefühl aus der Anerkennung ihrer Freunde und Angehörigen bezogen.

Als Erwachsene setzt sich dieses Verhalten fort. Die Frau sorgt für den Haushalt, versorgt die Kinder, engagiert sich in Initiativen und stärkt ihrem Mann den Rücken.

Alleinerziehende trifft es noch härter. Sie müssen Vater und Mutter gleichzeitig sein. Ist die Frau auch noch berufstätig, ist der Burn-out vorprogrammiert: Haushalt, Erziehung, Arbeit und soziales Engagement fordern ihren Tribut. Kein Wunder! Diese Frauen müssen funktionieren. Ohne Unterstützung durch Mann, Oma, Opa, Tante oder Onkel nimmt diesen Frauen niemand die Verantwortung ab. Rechnungen und Mieten müssen bezahlt werden, das Kind braucht Liebe, Unterstützung in Kindergarten und Schule, wo auch noch Initiative der Eltern gewünscht wird. Kommt dann noch eine finanzielle Belastung durch teure Schulfahrten hinzu, arbeitet der Körper auf Hochtouren.

Die verschiedenen Phasen erkennen

  • Phase 1: Idealismus. Die Frauen funktionieren. Sie sind freundlich, idealistisch und sehr engagiert in den Dingen, die sie tun. Sie kochen, backen, putzen, erziehen die Kinder, machen mit ihnen Hausaufgaben, unterstützen ihren Partner, nehmen an Elternveranstaltungen teil, planen die Wochenenden – und vergessen dabei sich und ihre
  • Phase 2: Überforderung. Meistens bemerken die Frauen und auch ihre Umgebung die Überforderung nicht. Alles läuft, wie gehabt – die Vernachlässigung des Körpers und der eigenen Bedürfnisse machen sich zwar langsam bemerkbar, werden aber ignoriert. In einigen Fällen kommt es in dieser Phase des Burn-outs zur Schlaflosigkeit, Unruhe und Zufriedenheit.
  • Phase 3: Nachlassende Freundlichkeit. Die Erschöpfung wird immer stärker und die Leistungsfähigkeit geringer. Das macht sich in einer höheren Aggressivität, Unfreundlichkeit und
    Nachlässigkeit bemerkbar. Kinder und Partner leiden immer öfter unter den “Launen” von Frau und Mutter.
  • Phase 4: Schuldgefühle. Die Frauen spüren ihre nachlassende Leistungsfähigkeit und bereuen ihr Verhalten gegenüber Familie und Freunden. Sie leiden unter Schuldgefühlen und versuchen, noch besser und funktionstüchtiger zu sein. Sie engagieren sich vermehrt in Schule und “verwöhnen” ihre Familie. Hilfe lehnen sie ab. Schließlich sind sie für die Familie und Haus zuständig.
  • Phase 5: vermehrte Anstrengung. Der Übergang von Phase 4 zu Phase 5 ist fließend. Aufgrund der Schuldgefühle strengen sich die Frauen immer mehr an, um ihre “Unzulänglichkeit” zu kaschieren. Die Erschöpfung steigt weiter.
  • Phase 6: Erfolglosigkeit. Inzwischen ist die Erschöpfung so groß, dass jede Leistungssteigerung keinen Erfolg bringt. Die Frauen stecken in einem Kreislauf fest. Je mehr sie sich anstrengen, desto erschöpfter und erfolgloser werden die Frauen. Sie fühlen sich hilflos und gehen fließend in diese Phase über.
  • Phase 7: Hilflosigkeit. Inzwischen überwiegt die Hilflosigkeit. Die Frauen bemerken, dass sie sich im Kreis drehen und ziehen sich immer mehr aus dem gesellschaftlichen Leben und ihrer Familie zurück.
  • Phase 8: Hoffnungslosigkeit. Depressionen sind vorprogrammiert. Spätestens jetzt bemerkt die Umgebung der Frau, dass etwas nicht stimmt, was von der Frau aber abgestritten wird. Sie funktioniert nach wie vor – wenn auch nur mit halber Kraft.
  • Phase 9: Apathie und Abneigung. Die Frauen nehmen überhaupt nicht mehr am Leben teil, verbringen ihre Tage stumm auf dem Sofa, apathisch auf dem Stuhl oder im Bett. Gespräche mit diesen Frauen bringen nichts mehr. Sie magern ab, verweigern Hilfe und Zuneigung, was oft zu Trennungen führt.
  • Phase 10: Selbstbeschuldigung, psychosomatische Symptome, Unfälle. Die Beziehung ist gescheitert. Der Haushalt läuft nicht mehr richtig und die Kinder sind aus dem Haus. Frauen mit Burn-out beschuldigen sich für ihr “Versagen”. Der Körper zeigt nun deutliche Zeichen der Erschöpfung mit Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kreislaufzusammenbrüchen und Herzbeschwerden.

Gedanken an Selbstmord tauchen auf. Spätestens jetzt ist professionelle Hilfe notwendig.

Hilfe für Frauen bei Burn-out

Frauen, die sich ihr Leben lang für Familie und Haushalt aufgeopfert haben, kommen nur schwer aus dem Kreislauf heraus und benötigen professionelle Hilfe.

Wurde die Krankheit erkannt, verordnen Ärzte eine Burn-out-Therapie und weisen die Betroffenen in eine Burn-out-Klinik ein. Sind noch kleine Kinder vorhanden, kann bei der Krankenkasse eine Mutter-Kind-Kur beantragt werden.

Im Rahmen dieser Therapien lernen die Betroffen, bewusst auf sich selbst und ihre Bedürfnisse zu achten. Sie lernen, ihren Perfektionismus abzulegen.

Mithilfe von Gesprächstherapien erforschen sie die Ursachen für ihr früheres Verhalten und lernen so, sich selbst zu verstehen. Entspannungstechniken, kreative Tätigkeiten und das Entdecken von Hobbys unterstützen diese Frauen dabei, künftig nicht in alte Verhaltensmuster zurückzufallen.